September 8, 2025 in Aktuell, Aus Israel

Wenn sich die Welt gegen Juden stellt: Alija nach Israel – nicht die Mehrheit zählt

Wenn sich die Welt gegen Juden stellt: Alija nach Israel – nicht die Mehrheit zählt

Ich sitze an einem Fernsehbeitrag. Es geht um Menschen, die während des Krieges nach Israel auswandern, Juden, die Alija machen.
Alija bedeutet die Einwanderung von Juden nach Israel. Das hebräische Wort heißt wörtlich „Aufstieg“ und beschreibt nicht nur eine geografische Bewegung, sondern auch eine geistliche: Wer Alija macht, kommt ins Land der Bibel zurück. Viele tun das aus Glaubensgründen, andere wegen der Sicherheit, der Familie oder einer neuen Lebensperspektive. Seit der Staatsgründung 1948 ist die Alija ein Kernstück der israelischen Identität – sie hat das Land geprägt und verändert.

Ich arbeite an der Geschichte einer jungen Jüdin aus New York. Sie besuchte zunächst orthodoxe Schulen, später wechselte sie auf staatliche, säkulare Schulen.
Ihre Liebe zu Israel begann mit Reisen. Tief im jüdischen Glauben verwurzelt, sagte sie, dass sie sich immer, wenn sie in Israel sei, zuhause fühle.

Die Kriegsbilder, insbesondere die Kämpfe mit dem Iran, hielten sie nicht davon ab, nach Israel auszuwandern. Vielmehr fürchtete sie, dass es nicht klappen könnte, dass Flüge gestrichen würden.

Plötzlich abgelehnt

Wie kommt das? Einerseits die Liebe zu Israel, die in ihr erwachte, andererseits die zunehmende Ablehnung. Nicht auf der Straße, sondern im Freundeskreis und in der nicht-jüdischen Gemeinschaft.
Es sind nicht die Parolen, nicht die Schreie von Maskierten auf den Straßen, sondern die Bemerkungen von Menschen im engeren Umfeld. Nicht greifbar, aber spürbar: Plötzlich ist man anders. Das Verhältnis hat sich verändert.

Vor einer Woche besuchte ich einen jüdischen Freund. Er setzt sich dafür ein, Licht ins Dunkel der Lage im Nahen Osten zu bringen und zugleich gegen den wachsenden Antisemitismus in den Medien Stellung zu beziehen. Doch längst muss er unerkannt bleiben, so lange es geht – mitten in einer deutschen Stadt. Wir dürfen bei unserem Treffen, bei einem kleinen Imbiss, nicht hebräisch sprechen und nicht verraten, wo wir herkommen. An manchen Fenstern des Straßenzugs hängen „Free Palestine“-Flaggen und man findet Aufkleber in den Fenstern. Der Antisemitismus, der Hass auf Juden, ist nicht nur salonfähig geworden, sondern bei vielen inzwischen ein Trend. In sozialen Netzwerken kommentieren Menschen ohne Scheu antisemitische Vorfälle oder die Lage in Israel mit Witzen und Sprüchen über Juden. Wer hätte gedacht, dass es wieder so weit kommen könnte.

Auch viele Christen distanzieren sich zunehmend von Juden. Die Negativberichterstattung über Israel trägt dazu bei. Aber auch eine lange Entfremdung, das Gefühl, mit dem Judentum nichts mehr zu tun zu haben. Viele Gläubige und Gemeinden haben den Bezug zu Israel längst verloren. Dass sich die Endzeit hier in Israel erfüllen wird, wissen viele gar nicht mehr.

Bei Gott spielen Mehr- oder Unterzahl keine Rolle

Wir sind in der Unterzahl, so fühlt es sich an. Vielen Christen geht es genauso, die sich für Israel und die Juden einsetzen, die zu Demonstrationen gegen Judenhass gehen, die Spott und Hohn ertragen, wenn Parolen durch die Straßen hallen und „Palästina“-Flaggen geschwenkt werden.
In Israel rücken wir enger zusammen, wir müssen es.

An all jene, die sich in diesen Tagen für Israel und das jüdische Volk einsetzen, die frustriert sind, weil sie sich ständig rechtfertigen müssen, die sich einsam fühlen: Es sei eins gesagt. Es ist nicht das erste Mal, dass das jüdische und auch das christliche Volk in der Unterzahl ist. Es ist nicht das erste Mal, dass die Zukunft ungewiss aussieht und eine Übermacht an Gegnern am Horizont erscheint.

Doch es geht nicht um Mehrheiten oder Minderheiten, sondern um den Einen, auf den wir bauen. Die Bibel lehrt uns, dass es in der Geschichte oft schlecht bis katastrophal aussah, doch dass unser Herr eingriff und den Ausgang bestimmte. Gerade im Angesicht der Entmutigung ist es entscheidend, auf Gott zu bauen – und nicht auf Menschen. 

Die Gläubigen in den Gemeinden hier in Israel singen deshalb umso lauter. Durch Predigten, durch Gemeinschaft, durch Lobpreis werden wir gestärkt.
Wir halten zusammen. Wir bauen und vertrauen auf Gottes Eingreifen, darauf, dass er Kriege beendet und das Böse zum Schweigen bringt.

Deshalb ein herzliches Schalom aus Israel und ein ganz großes Dankeschön für alle Unterstützung, Gebete und den großartigen Zusammenhalt.

Herzliche Grüße aus Galiläa, Ihr Benjamin Funk



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