![]() |
|
|
|
|||||||||
|
|
||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Ansehen war so hoch, dass es noch heute von ihm heißt, „als die Tora vom Volke Israel vergessen wurde, kam Esra, der Schreiber, nach Babylon, um sie ihm ins Gedächtnis zurückzurufen. Als sie aber aufs Neue vergessen wurde, war es Hillel, der aus Babylon eintraf, um sie vor dem Vergessen zu retten“ („Die Weisheit des Talmud“, Elie Wiesel, S. 19). Hillels Sohn, Jochanan ben Zakkai, wurde Leiter des nachbiblischen Judentums. Sein Verdienst war es, das ganze Material der existierenden Auslegungen der Tora zu sichten, zu ordnen und zu formulieren. Aus dieser mündlichen Tora entstand im 2. Jahrhundert n. Chr. die Mischna (Wiederholungen). Jehuda ha Nasi war der letzte Redakteur der Mischna, die abschließend sechs große Ordnungen umfasste, welche das ganze Leben des jüdischen Menschen von der Wiege bis zur Bahre sowie das komplette jüdische Haus- und Familienleben regelte.
Die Sammlung Auch die Mischna wurde ausgelegt und kommentiert. Diese Auslegungen (Midraschim) und Erzählungen (Aggadot) bezeichnet man als Gemara (das Vollendete). Der Talmud (wörtlich Belehrung) ist ein Monumentalwerk, an dem etwa 2800 Personen über mehrere Jahrhunderte beteiligt waren. In Deutsch umfasst das Werk fast 10 000 Seiten und ist in zwölf Bände aufgeteilt. Der Talmud ist bis zum heutigen Tag weltweit verbindlich für das orthodoxe Judentum. Es gibt zwei Varianten: den Jerusalemer Talmud (Talmud Jeruschalmi, ca. 250-1450 n. Chr.) und den Babylonischen Talmud (Talmud Bawli, ca. 200 -1520 n. Chr.). Der Babylonische Talmud hat ungefähr den dreifachen Umfang des Jerusalemer Talmuds.
Der Inhalt Der Inhalt des Talmuds setzt sich zusammen aus den Texten der Tora, den dazu gehörenden Erklärungen der Mischna, der Gemara und von weiteren Auslegern, etwa den Kommentaren des französischen Rabbiners Schlomo ben Jitzchak (11. Jahrhundert), genannt Raschi, und seiner Schule im babylonischen Talmud. So findet sich auf einer Seite des Talmud jeweils die Stelle aus der Mischna mit der entsprechenden Auslegung aus der Gemara und den dazugehörigen Kommentaren. In diesem umfassenden Werk finden sich gesetzliche Bestimmungen (Halacha) und erzählerische oder erbauliche Betrachtungen (Haggada).
Im Mittelpunkt Die Rabbiner verstehen sich bis heute als die wahren Nachfolger Moses, der Propheten und der Pharisäer. Der von ihnen ausgelegte Talmud aus Mischna und Gemara ist verbindlich für die Gemeinde. Diese nachbiblische Orthodoxie reicht bis in die Gegenwart hinein. Zusammen mit dem Gebot der Absonderung des jüdischen Volkes gegenüber den anderen Völkern half diese festgelegte Ordnung, die Identität zu bewahren und als Volk durch alle noch folgenden zwei Jahrtausende Diaspora zu überleben. Gleichzeitig fällt auf, dass das theologische Studium des Talmuds sich auf die Tora (fünf Bücher Mose) konzentriert und die anderen Bücher des Tenach weniger Gewicht haben.
|