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Musalaha-Versöhnungsarbeit
Versöhnung Jesus Christus machte durch seinen Tod die Versöhnung der Menschen mit Gott möglich, aber auch die Versöhnung der Menschen untereinander. Gott nahm in Jesus Christus weg, was Rassen und Kulturen voneinander trennt, vgl. Eph. 2. Der Tod Jesu hat heute noch die gleiche Bedeutung wie vor bald 2000 Jahren, auch in dem Land, in dem Jesus Christus geboren, gestorben und auferstanden ist. Um diese Botschaft bekannt zumachen, schlossen sich auf Initiative von Salim Munayer arabische und jüdische Gemeindeleiter in dem Verein "Musalaha" zusammen. Das arabische Wort "Musalaha" bedeutet Vergebung und Versöhnung. Musalaha will als Verein die Versöhnung zwischen Arabern und Juden in Israel fördern. Denn auf Grund der biblischen Aussagen ist der Sühnetod Jesu am Kreuz und seine Auferstehung die einzige Grundlage für ein friedliches Zusammenleben von Arabern und Juden. Der Verein sieht seinen Auftrag darin, den Dienst der Versöhnung in Israel zu vertreten und konkret werden zu lassen. Die Mithilfe arabisch-christlicher und jüdisch-messianischer Leiter erleichtert die praktische Durchführung, denn sie bringen ihre Erfahrungen in den Dienst von "Musalaha" ein und stellen sich zur Mitarbeit zur Verfügung.
Aktivitäten
Seminare:
Publikationen:
Unterricht über Kulturunterschiede:
Informationen
Viermal jährlich erscheint ein Rundbrief in deutscher Sprache. Bestellen Sie ihn bei der amzi! Auch eine Powerpoint-Präsentation über die Arbeit von Musalaha ist bei der amzi erhältlich.
Unterstützung
Konto Schweiz:
Konto Deutschland:
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Musalaha P.O. Box 52110, IL-91521 Jerusalem |
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Musalaha-Rundbrief Winter 2009
Musalaha feiert 20 Jahre fruchtbaren Dienst Gegen Ende des Jahres 1988, während wir beide an einem Studienprogramm zur Ausbildung einheimischer Leiter teilnahmen, kam Salim Munayer mit einer Vision auf mich zu, die seinem Empfinden nach Gott ihm gegeben hatte. Während er mir in groben Zügen den biblischen Ruf zur Versöhnung für unsere beiden zerstrittenen Völker darlegte, begann tief in mir etwas zu schwingen. Und als er mich bat, mit ihm zusammen aus diesen Ideen praktische Initiativen in unseren jeweiligen Glaubensgemeinschaften zu entwickeln, war meine Antwort ein unmittelbares – Ja! Kurz danach wurde Musalaha mit einfachen Strukturen ins Leben gerufen, mit Salim als Direktor und einem Komitee aus palästinensisch-christlichen und jüdisch-messianischen Leitern in gleicher Zahl. Dieses Prinzip der ausgewogenen Leitung wurde schnell zum Kennzeichen für alle Musalaha-Initiativen und ist es bis heute.
Vor 25 Jahren war Versöhnung kein zentrales Thema für die Christen hier im Land. Die arabisch- und hebräischsprachigen Gemeinden hatten sporadisch Gemeinschaft. Aber dann änderte sich mit dem Beginn der ersten Intifada (Aufstand der Palästinenser) alles: Junge messianische Militärdienstleistende wurden in die Unruhen verwickelt und junge palästinensische Christen, die unter der Frustration, der Entwürdigung an den Checkpoints und der militärischen Besetzung litten, schlossen sich dem Widerstand an. Die Spaltung zwischen beiden Gruppen wurde tiefer, und der Ruf Jesu zur Einheit seines Leibes immer dringlicher.
Musalaha reagierte mit dem ersten Wüstentrip – junge Erwachsene von beiden Seiten, danach ältere, erfahrene christliche Leiter, Männer und Frauen gemeinsam. Wir verließen die Sicherheit und Bequemlichkeit des eigenen Zuhauses. Jetzt wurde die schroffe Umgebung der Wüste unser „Klassenzimmer“, wo wir einander – oft zum ersten Mal – auf Augenhöhe begegneten. Diese ersten Tage waren für uns alle herausfordernd: Wir lernten, zusammen zu beten, Bibel zu lesen, anzubeten und Beziehungen aufzubauen, die die feste Grundlage werden sollten für den vielfältigen Dienst von Musalaha heute.
Die drei- und fünftägigen Wüstentrips und unterschiedlichen Seminare in den ersten Jahren haben bei uns die Fähigkeit wachsen lassen, einen Schutzraum für diese neuen Beziehungen zu bauen, damit sie den Herausforderungen standhalten können, die unausweichlich damit verbunden sind, wenn wir mit den schwierigen Themen Land, Konflikt, Friedenshindernisse umgehen. Die, die entschlossen waren, dabei zu bleiben, bildeten mit der Zeit einen wachsenden Kreis von Leitern, die sich dieser Vision verschrieben und willens waren, auch gegen den Widerstand aus den Gemeinschaften für Einheit und Frieden einzutreten. Auf beiden Seiten waren nun Menschen, die den Schritt wagen wollten, sich für Versöhnung und Frieden einzusetzen, statt am Konflikt teilzunehmen. Diese neue Dynamik gab Musalaha den Antrieb, Literatur zu produzieren und Leiterschulungen zu konzipieren, die genau auf unser Konfliktgebiet zugeschnitten sind. Und dies wiederum bringt direkt Frucht in anderen Bereichen unseres Dienstes.
Die Jugendleiter aus beiden Volksgemeinschaften erhalten miteinander eine professionelle Ausbildung mit hoher Qualität. Die Musalaha-Sommercamps und die Jugendinitiativen (einschließlich der Einsätze im Ausland) gehören zum Besten, das hier im Land zu finden ist. Kinder, die am Camp teilgenommen haben, kommen oft als Mitarbeiter wieder und bilden so eine gesunde Kontinuität. Die Frauenarbeit ist schnell gewachsen und ist inzwischen der größte und aktivste Teil von Musalaha. Viele Frauen wirken hinein in ihre Volksgruppe, organisieren verschiedene Aktivitäten und haben Einfluss auf Kinder und Jugendliche. Es gibt ein erfolgreiches Programm von muslimischen und christlichen Frauen, in das hoffentlich bis 2010 auch jüdische Frauen integriert werden können. Alle Initiativen wachsen und haben einen spürbaren Einfluss auf ihre Volksgemeinschaften: Sie bieten Beziehung, Gemeinschaft und den Brückenschlag zwischen den Gemeinschaften.
Es war ein großes Vorrecht zuzusehen, wie die Glaubwürdigkeit von Musalaha in den Augen von Christen anderer Länder stetig gewachsen ist. Das Zeugnis von unseren Erfolgen (und schmerzlichen Niederlagen) und unsere Methoden, die mitten in einem der konfliktreichsten Gebiete der Welt erprobt wurden, sind nun Vorbild für andere. Darum können wir von Zeit zu Zeit Gruppen aus anderen Ländern einladen, von uns zu lernen. Bei denen, die wir motivieren können, mit uns für Versöhnung zu arbeiten, steigt das Bewusstsein für unseren Konflikt.
Für all dies gebührt nur Gott die Ehre: Er erweist uns die Kraft seiner Gnade und die Wahrheit seines Wortes, durch die unser Leben und das Leben unserer Volksgemeinschaften verändert wird. Der Nahe Osten ist instabil und die Gemeinden des Neuen Bundes hier in Israel/Palästina sind von diesen schmerzhaften Auseinandersetzungen mit betroffen. Hat Musalaha der Herausforderung genügt, andere Maßstäbe anzubieten? Ich bin davon fest überzeugt, und die Frucht dieser Bemühungen wird eine solide Grundlage für die kommenden Generationen sein. Evan Thomas Vorsitzender des Musalaha-Komitees
Geschichtsdarstellung der Israelis und der Palästinenser Von Jonathan McRay An jedem Passah-Fest erinnern sich die Juden an die Befreiung aus der Unterdrückung, die sie in Ägypten erlitten haben. Sie erzählen, dass es in jeder Generation jemanden gegeben hat, der das Volk vernichten wollte, aber Gott befreite sie, führte sie nach 2000 Jahren zurück in das verheißene Land, wie er es auch in der Vergangenheit getan hatte. Jedes Jahr im Mai gedenken die Palästinenser eines anderen Exodus – nicht einer Befreiung, sondern einer Vertreibung, bei der sie ihre Heimat in einem Land, zu dem sie reiche geschichtliche und religiöse Verbindungen haben, verlassen mussten. Immer wieder betonen sie ihre lange Präsenz hier trotz Besatzung durch Kreuzfahrer, Ottomanen und bis hin zu den Israelis: „Wir werden unterdrückt und tragen keine Verantwortung für unsere Situation.“
Israelis und Palästinenser haben ihr je eigenes Verständnis von Unterdrückung, entsprechend ihren Erfahrungen in der Geschichte. Am 4./5. Oktober 2009 haben sich im Rahmen der Nacharbeit zur Konferenz für junge Erwachsene 28 junge Israelis und Palästinenser zusammengesetzt und ihre je eigene Geschichtsdarstellung analysiert und hinterfragt. Es war ein Experiment, aber ein wichtiges, und diese Konferenz entpuppte sich als die tiefste und intensivste von allen. Um den Diskussionen an diesen beiden Tagen einen Rahmen zu geben, stellte Salim Munayer das Konzept von Geschichtsdarstellung vor. Geschichtsdarstellung (engl. narrative) bedeutet sowohl Geschichte als auch Propaganda. In dieser Geschichtsdarstellung kommt die Vergangenheit eines Volkes zur Sprache, aber sie enthält auch eine Vision der Zukunft und stellt durch die gemeinsame Erzählung Identität her. Geschichte und Geschichten vermitteln Sinn und Heilung, wenn sie für Veränderung und neue Perspektiven offen bleiben. Aber die Geschichtsdarstellung kann verzerrt sein – und ist es oft –, um einen Konflikt zu rechtfertigen und Exklusivität zu erzeugen. Denn Geschichte ist nicht eine feste Größe mit nur einer unbestreitbaren Version; sie ist vielmehr ein Muster von ineinander verschlungenen und oftmals widersprüchlichen Geschichten. Jede Geschichte hat mindestens zwei Seiten, das ist bei der Geschichtsdarstellung nicht anders. Eine Geschichte wird immer von einer bestimmten Person mit einer bestimmten Weltsicht erzählt. Eine Balance kann hergestellt werden, wenn eine zweite Person dieselbe Geschichte erzählt, wobei die beiden Geschichten sich gegenseitig ergänzen.
Die Einheiten zur israelischen und palästinensischen Geschichtsdarstellung waren eine große Herausforderung. Beabsichtigt war, jeweils eine kollektive Geschichtsdarstellung zu präsentieren und dann Raum zu geben zur Analyse durch Kritik an bestimmten Aspekten. Zwei Israelis präsentierten gekonnt die israelische Darstellung und boten damit die allgemeine Sicht der Geschichte in der israelischen Gesellschaft. Sie begannen mit der biblischen Geschichte des jüdischen Volkes, dem Exil und Leben in der Diaspora in anderen Ländern und schilderten ihre Sehnsucht nach einem jüdischen Heimatland und die Schrecken des Holocaust, die zur Errichtung des Staates Israel führten. Am Ende ihres Vortrags stellten sie offen und ehrlich einige grundlegende Annahmen in Frage, wie zum Beispiel, dass das Land kaum bewohnt und eine leblose Wüste gewesen sei, dass die Israelis die Einzigen seien, die Frieden wollen, und dass es ein palästinensisches Volk nicht gibt und niemals gab.
Salim trug leidenschaftlich die palästinensische Darstellung vor, erklärte die tiefe und alte Bindung an das Land, den Schmerz der gewaltsamen Vertreibung durch die Nakba (arabisch für Katastrophe, bezeichnet die Vertreibung der Palästinenser im Krieg 1948), das Verlangen nach einem palästinensischen Heimatland und das Leiden unter der israelischen Besatzung. Er erzählte, wie sein Vater die Leichen derer begrub, die während der Nakba von jüdischen Extremisten ermordet worden waren. Er stellte den in der palästinensischen Gesellschaft vorherrschenden Glauben in Frage, dass die Juden keine religiöse oder historische Bindung an das Land haben und prangerte den Mangel an Verständnis für das Leiden der Juden, besonders im Holocaust, an. Viele haben, was den Konflikt angeht, ein Entweder-Oder-Denken: Sie glauben, dass ihr persönlicher Schmerz illegitim wird, wenn sie das Leiden der anderen anerkennen. Die Vorträge und ihre Kritik führten zu lebhaften Diskussionen über die problematischen Themen und offenbarten das Bedürfnis, diese Geschichtsdarstellungen weiter zu analysieren.
Die letzte Einheit war ganz der Reflexion und dem offenen Dialog gewidmet und wurde durch Evan Thomas moderiert. Für viele Betroffene waren die Vorträge sehr schwierig gewesen, und die verletzten Gefühle und die Frustration wurden jetzt ehrlich mitgeteilt. Diese Konferenz hat deutlich gemacht, wie wichtig es ist, den Unterschied zwischen der Versöhnung von Menschen und der Versöhnung von Gruppen wahrzunehmen: Wir sind hier vielleicht zusammengekommen, aber danach gehen wir zurück in unser eigenes Lager und in das unausgewogene Machtverhältnis zwischen unseren beiden Gruppen. Nur wenn unsere Geschichtsdarstellung im Licht der Erfahrungen der anderen verändert wurde, kann wirkliche Versöhnung und damit Veränderung stattfinden, sowohl auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene.
Ein palästinensischer Teilnehmer war besonders betroffen bei der direkten Gegenüberstellung der beiden entgegengesetzten Sichtweisen: „Manchmal, wenn über die israelische Geschichtsdarstellung gesprochen wurde, habe ich dagesessen mit zusammengebissenen Zähnen und habe gedacht: ‚Das stimmt nicht!’ Und als die palästinensische Darstellung dran war, sah ich einige der Israelis dasselbe tun. Ich glaube, wenn man Palästinenser und Israelis einfach von der Straße zu so etwas zusammenbringt, fliegen die Fetzen.“ ‚Talitha Kumi’ ist aramäisch und bedeutet: ‚Mädchen, steh auf!’ Dies steht im Markusevangelium in der Geschichte, in der Jesus die Tochter des Jairus auferweckt. Die Kinder Gottes, die ihre Feinde lieben, sollen den geflüsterten Ruf von Gerechtigkeit und Frieden, der Leben atmet, hören und auferweckt werden. Gerade in der hitzigen Debatte über Identität müssen wir uns daran erinnern, dass wir unsere Identität erst verlieren müssen, um sie dann neu zu finden. Wir sind alle zu dieser Konferenz gekommen, weil wir uns einer versöhnlichen Geschichtsdarstellung verpflichtet wissen, in der es um ein Königreich, einen Weg und ein Festmahl geht, wo es weder arm noch reich, weder Palästinenser noch Israeli geben wird.
Versöhnung für Leiter Von Jonathan McRay Mehr als zwanzig Leiter von israelischen und palästinensischen Gemeinden verbrachten zusammen mit ihren Familien eine Woche in Deutschland auf der Musalaha-Konferenz für Leiter und ihre Familien. Es ist eine Vision von Musalaha, Leiter aus israelischen und palästinensischen Gemeinden auszubilden, sodass sie in ihren Gemeinden zu Versöhnern werden. Dabei hat Musalaha die ganze Familie im Blick, denn sowohl die israelische als auch die palästinensische Gesellschaft ist um die Familie als Kern herum strukturiert. Wenn die Familie zu einer versöhnten Versöhnerin zusammenwächst, kann sie als ganze Veränderung in ihrer Gesellschaft bewirken. Die Leiterkonferenz ist der Ausgangspunkt für die Ausbildung von Beziehungsnetzwerken. Die Rede von „denen“ und „uns“ wird abgebaut und macht Platz für eine neue Art von „wir“. Die Konferenz fand vom 14. bis zum 21. August auf der Langensteinbacher Höhe statt. Diese ruhig gelegene Bibel-Konferenzstätte war ein idealer Tagungsort und bot viele Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten, die den Teilnehmern Zeit und Gelegenheit boten, Gedanken und Gefühle wachsen zu lassen. Unter der umsichtigen Leitung von Eckhard Maier bildeten die Familien feste Beziehungen und lernten an seinem demütigen Beispiel gegenseitiges Dienen.
An jedem zweiten Tag wurden die Theorie und die Praxis von Musalaha durch Lehreinheiten, Workshops und Aktivitäten für die ganze Familie vermittelt. Salim Munayer und der israelische Pastor Oded Shoshani kümmerten sich um Lehre und Leitung der Konferenz. Die Einheiten der Woche gliederten sich in verschiedene Segmente aus Theorie und Praxis. In einer Einheit ging es anhand von Epheser 2 – Niederreißen der trennenden Mauern und Schaffen einer neuen Identität – um die Beziehungen zwischen Familien aus unterschiedlichem Hintergrund. Eine andere Einheit zeigte die Theologie der Versöhnung, die ihre Wurzeln im Wesen Gottes hat, wie es uns in 1. Johannes 4 vor Augen gestellt wird: in der Liebe. Die Teilnehmer diskutierten auch die sozioökonomischen und politischen Fragen, die den Versöhnungsprozess beeinflussen.
Im Zusammenhang mit dieser Einheit gab es auch eine Zeit zum Austausch über die Hindernisse der Versöhnung und Wege der Vergebung. In kleinen Gruppen studierten die Teilnehmer, was bei Matthäus über Vergebung steht. Das ist gar nicht so einfach, denn die meisten von uns sind daran gewöhnt, dass für die Vergebung eine bestimmte Art von Reue gegeben sein muss. Aber die Worte Jesu handeln von einer unmöglichen Vergebung, einer Vergebung, die nicht Reue voraussetzt, sondern sie erst möglich macht. Viele hatten versucht, ihren Schmerz zu vergraben und hatten nun Mühe damit, die bitteren Gefühle wieder hochkommen zu lassen. Manche waren überrascht, dass ihr Ärger wie ein Eisberg unter der Oberfläche viel größer war. So auch bei einem palästinensischen Leiter, dessen tief verwurzelter Schmerz seine Ursache hatte in der Zerstörung, die seinem Dorf und seinem Volk widerfahren war. Israelis und Palästinenser erlebten eine verändernde Reinigung, als sie gezwungen waren, einander gegenüber zu sitzen und die Entmenschlichung, Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Schikanen anzusehen und zu überwinden.
„Es war gut, meinen Brüdern von der anderen Seite zuzuhören“, sagte Rafi Shimon aus Rehovot. „Persönlich hatten wir vielleicht nicht viel zu vergeben, denn wir kannten uns vorher ja nicht. Aber wir haben gemeinsam im Austausch Vergebung praktiziert.“ Er empfand diese herausfordernde Erfahrung als einen Ruf, tiefer zu gehen. „Wir müssen das konkret werden lassen, wir müssen Beziehungen aufbauen, denn wir dürfen nicht einfach bei unserer eigenen Versöhnung stehen bleiben, wir müssen das weiter tragen. Wir müssen vorwärts gehen.“
Am letzten Abend kamen wir alle zur Feier des Abendmahls zusammen. Die Jugendlichen teilten Brot und Wein an die Eltern aus. Das sakramentale Mahl, das von Israelis und Palästinensern gemeinsam gefeiert wurde, stand nicht nur dafür, das Leben und den Weg Jesu anzunehmen, sondern auch für die voraussetzungslose Tischgemeinschaft, zu der jeder von Jesus eingeladen ist. Versöhnung ist der fruchtbare Boden, der Vergebung möglich macht, und Toleranz wird genährt von dem Wissen um das Leiden des Nächsten. Um die alten Vorurteile zu überwinden, müssen wir zu einer neuen Art von Vorurteil kommen: dem Vor-Urteil, Liebe zu haben für einen, dessen Gesicht wir jetzt erst sehen können, dessen Namen wir jetzt erst verstehen und dessen Geschichte wir jetzt erst hören.
Junge Erwachsene bauen Brücken Von Nussi Khalil, Koordinatorin der Arbeit unter jungen Erwachsenen Eine Gruppe junger Erwachsener, zehn Norweger, zehn Israelis und zehn Palästinenser, fuhren am Ende des Sommers nach Norwegen, um ihren Weg der Versöhnung zu beginnen. Die Brückenbauer begannen ihren Trip mit drei Tagen Camping auf Steilene, einer Insel im Oslofjord. Sie wurden einander vorgestellt und ihre Beziehung begann mit dem Zeltaufbau und später -abbau im Regen. Von Anfang an gab es Aktivitäten zur Teambildung, kulturübergreifende Kommunikation, Lehre über Versöhnung, Spiele, Diskussionen, Gebet und Gottesdienst. Von hier aus fuhren wir weiter nach Valdres in den norwegischen Bergen, wo es weiterging mit intensiven Vorträgen über Angst, Vergebung und Macht. An den sog. Kulturabenden erfuhren wir etwas über das Erbe der anderen. Die Israelis zeigten uns, wie es war, in das Land einzuwandern; die Palästinenser parodierten eine Hochzeit, und die Norweger zogen ihre Tracht an, spielten traditionelle Musik und Spiele. In diesen Tagen in Valdres gab es auch besondere Theatereinheiten, „Theater der Unterdrückten“ genannt. Während der Rollenspiele diskutierten die Zuschauer, was passierte. Das war eines der Highlights für mich und für viele andere Teilnehmer, denn wir konnten hier quasi mitverfolgen, wie bestimmte Gegebenheiten bei unseren Freunden überhaupt entstanden und über die Folgen unseres Handelns im wirklichen Leben sorgfältiger nachdenken. Wir konnten in die Schuhe der Unterdrücker steigen und in die der Unterdrückten und verstehen, was mit diesen Rollen verbunden ist und welches Gefühl damit einhergeht. Von dieser Aktion habe ich so viel gelernt: manche Situationen subjektiver anzusehen und zu sympathisieren mit Positionen, die ich vorher nie bedacht hatte.
Den Rest der Zeit verbrachten wir in Gastfamilien in Oslo und teilten mit ihnen unsere Erfahrungen. An dieser Reise teilnehmen zu können, war ein Segen: die Möglichkeit zu haben, viele Gefühle zu erkennen und mitzuteilen. Ich bin sehr dankbar, das Theater der Unterdrückten kennen gelernt zu haben. Es vertieft das gegenseitige Verstehen bei uns Brückenbauern, denn hier sind viele in der Lage, sich zu öffnen. Ich hoffe, noch mehr Projekte wie dieses organisieren zu können und ich wünsche mir ähnliche Ergebnisse.
Diese Fahrt wurde organisiert und unterstützt durch die Partnerschaft zwischen Musalaha, der Palästinensischen Bibelgesellschaft, dem Caspari-Center, dem Norwegischen Kirchlichen Israeldienst und der Evangelisch-Lutherischen Freikirche Norwegens.
Familie Munayer verändert sich Musalaha wurde vor 20 Jahren gegründet, als Jack geboren wurde. Über die Jahre wuchs die Familie, und Daniel, John und Sam vervollständigten die Familie Munayer. Jack könnte in Großbritannien studieren, hat sich aber zuerst für ein Arabisch-Studium in Jordanien entschlossen. Daniel geht noch ein Jahr zur Schule. John und Sam sind beide Top-Schwimmer des Landes in ihrer Altersklasse. Salim unterrichtet immer noch am Bethlehem Bible College und leitet Musalaha. Kay ist beschäftigt wie immer mit den Söhnen und Wohltätigkeitsarbeit.
Schweiz: Musalaha, c/o amzi, Postfach UBS: Kto-Nr. 0292-IQ136862.0 Postcheque: Kto-Nr. 40-33695-4 (mit Vermerk «Musalaha»)
Deutschland: Musalaha IBAN: DE 19 6835 0048 0001 7167 37
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