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Musalaha-Versöhnungsarbeit

 

Versöhnung

Jesus Christus machte durch seinen Tod die Versöhnung der Menschen mit Gott möglich, aber auch die Versöhnung der Menschen untereinander. Gott nahm in Jesus Christus weg, was Rassen und Kulturen voneinander trennt, vgl. Eph. 2. Der Tod Jesu hat heute noch die gleiche Bedeutung wie vor bald 2000 Jahren, auch in dem Land, in dem Jesus Christus geboren, gestorben und auferstanden ist.

Um diese Botschaft bekannt zumachen, schlossen sich auf Initiative von Salim Munayer arabische und jüdische Gemeindeleiter in dem Verein "Musalaha" zusammen. Das arabische Wort "Musalaha" bedeutet Vergebung und Versöhnung. Musalaha will als Verein die Versöhnung zwischen Arabern und Juden in Israel fördern. Denn auf Grund der biblischen Aussagen ist der Sühnetod Jesu am Kreuz und seine Auferstehung die einzige Grundlage für ein friedliches Zusammenleben von Arabern und Juden.

Der Verein sieht seinen Auftrag darin, den Dienst der Versöhnung in Israel zu vertreten und konkret werden zu lassen.

Die Mithilfe arabisch-christlicher und jüdisch-messianischer Leiter erleichtert die praktische Durchführung, denn sie bringen ihre Erfahrungen in den Dienst von "Musalaha" ein und stellen sich zur Mitarbeit zur Verfügung.

 

 

Aktivitäten

 

Seminare:
Biblische Lehre über Versöhnung anhand von Beispielen, wie z.B. Jakob und Esau, Paulus und Barnabas; Versöhnung im Verlauf der Kirchengeschichte. Hauptziel der Seminare ist, das Gebot unseres Herrn in den Gemeinden zu lehren: "Liebet eure Feinde!"
Leiter arabisch-christlicher und jüdisch-messianischer Gemeinden werden ausgebildet, die Seminare in den verschiedenen arabischen und messianischen Gemeinden im ganzen Land durchzuführen.

 

Publikationen:
Alles gedruckte Material wird zweisprachig herausgegeben: (arabisch und hebräisch). Dies gilt auch für alle Lehrunterlagen und Berichte über erlebte Versöhnung.

 

Unterricht über Kulturunterschiede:
Musalaha ist bemüht, Verständnis zwischen den beiden in Israel vorherrschenden Bevölkerungsgruppen zu wecken. Es werden Veranstaltungen anberaumt, um arabischen Palästinensern und israelischen Juden das Kennenlernen der jeweils anderen Kultur und der Traditionen zu ermöglichen und Erfahrungen auszutauschen.

Beide Gesichtspunkte, Gemeinsamkeiten und Schranken, sind in den Beziehungen zwischen Arabern und Juden vorhanden. Musalaha will die biblische Haltung vermitteln, die sowohl von arabischen wie auch von jüdischen Gläubigen erfordert wird, wenn es um die Bereinigung von feindseligem Verhalten geht.

Gegenseitiges Verständnis und Gemeinschaft untereinander sind nur in Jesus Christus möglich. Christus allein ist der Versöhner zwischen Mensch und Gott und zwischen den Menschen untereinander.

 

 

Informationen

 

Viermal jährlich erscheint ein Rundbrief in deutscher Sprache. Bestellen Sie ihn bei der amzi!

Auch eine Powerpoint-Präsentation über die Arbeit von Musalaha ist bei der amzi erhältlich.

 

 

Unterstützung

 

Konto Schweiz:
Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel
"Musalaha", Postfinance, 40-33695-4

 

Konto Deutschland:
Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel
"Musalaha", Sparkasse Lörrach-Rheinfelden
Kto. 1-716.737 (BLZ 683 500 48)

 

 

Zur Homepage von Musalaha in Englisch.                                                                                                                 zurück zur Übersicht

 

Musalaha

P.O. Box 52110, IL-91521 Jerusalem
Tel. 00972 2 672 0376
E-Mail:musalaha@netvision.net.il
Internet: www.musalaha.org

Salim Munayer

http://www.youtube.com/watch?v=Cls9QOzKoF0

 

Louise

http://www.youtube.com/watch?v=GYD5qxoNKyY

 

 

Josef

http://www.youtube.com/watch?v=IDA5qKJ5z8c

 

 

 

Musalaha-Rundbrief Sommer 2010

 

Vorwärts in Glaube und Gemeinschaft

Gott ist in der letzten Zeit sehr gut zu uns gewesen. Sie werden in diesem Rundbrief etwas über unseren Wüstentrip für Jugendliche erfahren, über das Projekt der Brückenbauer und die Frauenkonferenz. Alle drei sind trotz der steigenden Spannung und der Spaltung zwischen Israelis und Palästinensern sehr erfolgreich verlaufen – und das hat wiederum Auswirkungen auf die Gläubigen.

Wir sind sehr dankbar für Gottes Segen: Die Beziehungen der Brückenbauer erfuhren spürbares Wachstum in die Tiefe; der Jugendtrip war einer unserer größten bislang mit rund 40 Jugendlichen; die Frauen bearbeiteten das schwierige und sehr kontroverse Thema Geschichtsdarstellung und konnten es in der geborgenen Atmosphäre ihrer Freundschaften diskutieren. Im Mai fuhren wir mit einer Gruppe von 40 jungen Erwachsenen nach Zypern zu einer Konferenz mit demselben Thema – ein neuer Rekord! Gott ist treu: Er spricht zu den Herzen seines Volkes und ruft sie zur Versöhnung.

All dies sind positive Zeichen, Ermutigungen in einer Zeit zunehmender Desillusionierung bei israelischen und palästinensischen Christen. Viele bezweifeln, dass es jemals Frieden geben wird; sie sehen die politische Situation immer schlimmer werden und halten Versöhnung für einen naiven Traum. Von Seiten der Palästinenser wird uns „Normalisierung“ vorgeworfen: Die Arbeit für Versöhnung heiße angeblich den Status Quo zu akzeptieren, die Besatzung und das Unrecht. Von israelischer Seit hören wir den Aufschrei „Kompromiss“, als ob die Arbeit für Versöhnung gleichbedeutend wäre mit der Aufgabe des Anspruchs auf das Land und die Legitimierung durch das Wort Gottes.

Ich höre diese Argumente mit zunehmender und beunruhigender Häufigkeit. Es ist, als ob wir vergessen hätten, dass wir alle Brüder und Schwestern sind, Glieder an demselben Leib des Messias, und wie wichtig Gemeinschaft für die Gesundheit dieses Leibes ist. Kürzlich habe ich einen kleinen Artikel darüber geschrieben („Fellowship: Breaking the Taboo“); sie finden ihn auf unserer Webseite.

Warum die Kritik zunimmt, ist leicht zu verstehen. Die Lage im Land ist schwierig. Jeden Tag liest man entmutigende Nachrichten, egal auf welcher Seite man steht. Wir sind immer noch in Richtung Konflikt unterwegs und entfernen uns immer weiter von Frieden und Versöhnung. In dieser Atmosphäre von Trennung und Zwietracht ist es viel einfacher, Versöhnung fahren zu lassen und über die zu spotten, die immer noch nach ihr streben. Das ist sicherer. Menschen auf der anderen Seite die Hand hinzustrecken, macht verletzlich: Man setzt sich der Ablehnung aus und den Angriffen von beiden Seiten. Hinter der Mauer des Zynismus sind wir deutlich sicherer aufgehoben. Aber Versöhnung ist kein naiver Traum. Sie ist uns von Gott geboten. Paulus schreibt in Epheser 2,14: „Denn er ist unser Friede. Er hat aus beiden eins gemacht und die Zwischenwand der Umzäunung abgebrochen.“ Bei John Yoder gibt es eine inspirierende Auslegung zu diesem Abschnitt:

„Normalerweise haben wir die Vorstellung, dass das Kreuz mich über meine Sünde hinweg mit Gott versöhnt und dich über deine Sünde hinweg mit Gott versöhnt. Als Folge davon finden wir uns alle in dem neuen Status des Gerettetseins, jeder einzeln. Aber die Logik des Textes ist eine andere. Das Hindernis (zwischen uns) ist nicht jemandes Sünde. Das Hindernis ist die historische Tatsache, dass wir getrennte Geschichten haben... Zwei fremde Geschichten werden zu einer. Zwei verfeindete Gemeinschaften werden miteinander versöhnt. Zwei einander widersprechende Lebensstile kommen zusammen.“

Wir brauchen die Versöhnung mit Gott (vertikal), aber wenn wir nicht mit unseren Brüdern und Schwestern versöhnt werden (horizontal), dann ist das nutzlos.

Apropos Mauern einreißen: Wir planen einen Umzug in ein größeres Büro, das noch einiges an Renovierungsarbeiten braucht. Der Umzug ist nötig, weil wir gewachsen sind. Unsere Mitarbeiter passen nicht mehr ins Büro, und es wäre wunderbar, mehr zusätzlichen Platz für Vorträge, Seminare und Workshops zu haben. Leider wird das ein kostspieliger Umzug, und die monatliche Miete wird auf ca. 6000 Dollar (4880 Euro/ 6925 CHF) steigen. Für die Renovierungsarbeiten sind 60000 Dollar (48’800 Euro/ 69’250 CHF) veranschlagt. So viel Geld zusammenzubekommen, scheint unmöglich, aber wir vertrauen darauf, dass Gott die versorgt, die Seinen Willen tun wollen. Wenn Sie uns darin finanziell unterstützen können und möchten, sind wir außerordentlich dankbar, und wir bleiben immer abhängig von Ihrem Gebet.

Herzlichen Dank Ihnen allen,

Salim J. Munayer, Direktor

 

 

Wie Josef: Freund, Bruder, Versöhner

Es ist Passah, ein paar Tage vor Ostern, 45 israelische und palästinensische Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren sind auf dem Weg gen Süden in die Negev-Wüste. Junge Gesichter am Beginn einer Reise, bereit für eine neue Herausforderung, mühen sich um Versöhnung auf dem alljährlichen Wüstentrip für Jugendliche. Diese Tage werden sie formen, werden physische und geistliche Folgen haben und sie als Einheit näher zusammenbringen.

Wie meist zu Beginn unserer Camps standen die israelischen Jugendlichen in Grüppchen von zwei und drei verstreut, kicherten, erzählten und warteten gespannt auf ein neues Abenteuer. In einiger Entfernung davon die palästinensischen Jugendlichen: Genau wie ihre Brüder und Schwestern von der anderen Seite hielten sie sich an die Arabisch sprechenden Leute, Leute aus ihren Gemeinden und solche, die sie noch gar nicht kannten.

„Jallah, auf geht’s!“, rief einer der Mitarbeiter, um diese Mafia ähnlichen Knäuel aufzulösen. „Die Herausforderung beginnt“, sagte Daniel Munayer, einer der Jugendmitarbeiter. „Macht euch auf und versucht, mit anderen in Kontakt zu kommen, nicht einfach mit den Leuten, mit denen ihr zusammen gekommen seid, sondern genau die, die anders sind als ihr, die von der anderen Seite sind. Gott ist Liebe. Ihr könnt nicht sagen, dass ihr Gott liebt, wenn ihr nicht auch euren Bruder liebt.“ Schon bald waren die Jugendlichen in die Eisbrecherspiele verwickelt. Danach kam das Abendessen – im Nahen Osten das wichtigste Zeichen für Zusammengehörigkeit.

Gleich am ersten Abend erhoben sie ihre Stimmen zum gemeinsamen Lobpreis. Einer der beliebtesten Chorusse war bei den Mädchen ein arabisches Lied. Die Übersetzung lautet: Ich will mit dir gehen, auch in schwierigen Zeiten; dein Name sei gelobt, es gibt kein Leben ohne dich.

Nach dem Lobpreis kam die Abendandacht. Im Kreis um die riesigen Flammen sitzend wurden die Jugendlichen aufgefordert, wie Josef zu sein. Er war ein Mann der Versöhnung: „Viele Leute haben sich über Josef geärgert, und oft ärgern sich Leute auch über uns, manchmal ohne Grund. Wie gehen wir mit diesem Ärger um? Wie Josef stecken wir auch manchmal in miesen Situationen. Versuchen wir in solchen Situationen, ein Segen für unsere Feinde zu sein? Wenn wir frei sind im Messias – was machen wir dann mit dieser Freiheit? Auch wir müssen, wie Josef, Versöhner sein. Er hatte sich entschieden, trotz des Unrechts, das er erlitten hatte, Gottes Geboten zu folgen, zu vergeben und seine Brüder zu lieben. Diese Entscheidung brachte seine Familie wieder zusammen, sie konnten überleben, und schließlich geht diese Linie bis zu unserer Erlösung. Und: Versöhnung ist wesentlich für unsere Beziehung zu Gott.“

Mit einer Kamelkarawane durch die weite israelische Wüste zu ziehen, gab den Jugendlichen einen neuen Eindruck von der Güte Gottes für sein Volk und Land. Und da draußen, mitten im Nichts, umgeben nur von ein paar Wüstenpflanzen, pumpten die Jungen ihren Fußball auf und begannen mit einer der erfolgreichsten Arten männlichen Kontaktverhaltens: Sport. Nach den Stunden des gemeinsamen Spiels in der Wüste war aus ihnen eine Einheit geworden. Als dann Schlafenszeit war, zogen die Jungen in die eine Richtung ab, die Mädchen in die andere. Es gab zwar ein paar, die sich absetzen und eigene Zirkel bilden wollten, aber die Leiter brachten sie vorsichtig zurück zur Gruppe, und kurz darauf begann der Schlagabtausch mit Singen und Rappen unter der Leitung von ein paar sudanesischen Teilnehmern. Diese Nacht bildete den inoffiziellen Musalaha-Übergangsritus hinein in einen Kreis männlicher Kameraden.

„Ich bin nur mitgekommen, weil ich andere Araber kennen lernen wollte“, sagte Fareed, ein palästinensischer Israeli aus Haifa. „Aber nach dem Fußballspiel und dem nächtelangen Singen mit den Typen habe ich doch Kontakte geknüpft, und wenn ich jetzt nach Hause gehe, habe ich alle kennen gelernt und sehe sie anders.“

In dieser besonderen Nacht wurden die sudanesischen Teilnehmer zu einer Art natürlicher Brücke zwischen den Kulturen. Die Sudanesen sind Flüchtlinge, die aus ihrem vom Krieg zerrissenen Land geflohen sind, um zu überleben, weil dort die Christen verfolgt werden. Die sudanesischen Jugendlichen in unserem Land sprechen fließend Hebräisch und Arabisch und haben sich irgendwie in die israelische Gesellschaft integriert. Während der männlichen Stammesgesänge in der Nacht brachte einer der Sudanesen die Teilnehmer dazu, verschiedene Raps nachzumachen, bis er endlich den gefunden hatte, den er wollte. Es waren die gerappten Worte: Sudan for life (Sudan für das Leben)! Der Satz blieb hängen und tauchte überall in den Spielen, bei Mahlzeiten und unterwegs wieder auf; immer wieder konnte man es hören: Sudan for life!

Das heißt nicht, dass es in der Wüste nur eitel Freude gab. Die Wüste hat etwas an sich, was zum Klagen verleitet, das kennen wir aus den biblischen Geschichten. Es gab Klagen über die schrecklichen Wege, die Badezimmer (eine freie Fläche hinter einem Heuhaufen) und natürlich das dauernde Laufen von einer Seite des Camps zur anderen. Und es gab Störungen wie z. B. das Schreien der Esel während der Gebetszeit und das Krähen des Hahnes im Morgengrauen. Aber trotz der Vorurteile, Hindernisse und der Störungen versucht Musalaha immer, die Widerstände zu überwinden. Nicht länger waren die israelischen Kids auf der rechten Seite, die palästinensischen auf der linken. Sie war eine Gruppe von Teenagern, die bereit waren, gemeinsam zu leiden, gemeinsam zu essen und gemeinsam zu beten.

Am letzten Abend, als es Zeit für Erfahrungsberichte war, sagte einer der jungen Leiter: „Wenn ihr nach Hause kommt, werden die Leute danach fragen, was Musalaha ist, was Versöhnung ist und was ihr gelernt habt. Es geht aber nicht darum, was wir gelernt haben, es geht darum, was wir getan haben, als wir zusammen gelebt, gegessen, gebetet haben – wir haben Versöhnung gelebt. Wie Josef haben wir uns entschieden, unsere Feinde zu lieben, für sie ein Segen zu sein und mitten im eigenen Leiden Versöhner zu sein.“

Die Wüste kehrt wieder in ihren Ursprungszustand zurück, aber die Worte, die sich tief in die Herzen der Jugendlichen eingegraben haben, klingen dort noch nach: Ich will mit dir gehen, auch in schwierigen Zeiten – dein Name sei gelobt, es gibt kein Leben ohne dich!

 

 

Frauen und Geschichtsdarstellung: Die Kunst des Zuhörens

Von Louise Thomsen, Leiterin der Frauenarbeit

Die Geschichtsdarstellung eines Volkes ist das Erzählen der gemeinsamen Vergangenheit. Sie gibt die Wirklichkeit wieder, wie sie diese Menschen erlebt haben. Eine andere Erzählung kann dasselbe Ereignis zum Inhalt haben, aber aus einer anderen Perspektive. In Konfliktgebieten enthält die Geschichtsdarstellung immer auch die Entstehung des Konflikts durch Verschulden der anderen Seite, die Rechtfertigung des eigenen Handelns als Selbstverteidigung und die fortgesetzte Verletzung der eigenen Rechte durch die anderen. Da diese Erzählung die eigenen Leute als Opfer darstellt, die heroisch das Böse bekämpfen, ist sie ein wirksames Mittel, das Volk und die internationale Gemeinschaft zum Kampf für die eigene Sache zu motivieren. Diese Geschichtsdarstellung wird permanent in den Schulen, in den Medien und Gesprächen wiederholt und ist dem Bewusstsein der Menschen so tief eingeprägt, dass sie als historische Wahrheit empfunden und für die tatsächliche Geschichte gehalten wird. Die Erzählung enthält zwar historische Fakten, dennoch gibt sie nur eine selektive, subjektive und einseitige Sicht der Gesamtwahrheit wieder.

Diese Themen wurden auf unserer Frauenkonferenz auf Zypern sichtbar. Zu Beginn der Konferenz teilten wir die 40 Frauen in zwei Gruppen ein, Israelis und Palästinenserinnen. Dann baten wir die Israelis, die palästinensische Geschichtsdarstellung vorzustellen und umgekehrt. Beide Gruppen hatten große Mühe, sich von ihrer eigenen Erzählung zu lösen und die Geschichte aus der Sicht der jeweils anderen darzustellen. Manche mussten immer wieder Sätze einflechten wie: „Aber das kann man so nicht sagen, das ist nicht wahr.“ Andere versuchten zu erklären: „Es stimmt vielleicht nicht, aber es ist ihre Wahrheit, und die sollten wir ja darstellen, egal, ob wir damit übereinstimmen.“ Viele Frauen merkten, dass sie die Geschichtsdarstellung der anderen ebenso wenig kannten wie die Geschichte überhaupt, weil sie nur gewohnt waren, ihre eigene Erzählung zu hören. Die Geschichtsdarstellung vermittelt nur einen Teilaspekt der historischen Wahrheit. Auf der Suche nach der Wahrheit mussten die Frauen die historische Genauigkeit ihrer Erzählung überprüfen und gegebenenfalls korrigieren. Es ist eine Herausforderung, die eigene „Wahrheit“ ändern zu müssen, und manchmal ist diese Erkenntnis ein Schock.

Als ich beiden Geschichtsdarstellungen zuhörte, fiel mir auf, dass beide ein Hindernis für Versöhnung darstellen, denn sie beruhen auf zwei sehr unterschiedlichen Grundlagen. Daraus erwachsen viele Missverständnisse in den israelisch-palästinensischen Gesprächen.

Die israelische Geschichtsdarstellung gründet in erster Linie auf theologische Auslegungen der Thora und der Bibel – Auslegungen, die von religiösen, säkularen und messianischen Juden wiederholt werden, sobald der Konflikt zum Thema wird. Man sagt, dass es für Versöhnung und Friedensgespräche ein gewisses Maß an gemeinsamer Basis braucht, die die Beteiligten verbindet und ihnen als Begründung dient, sich auf einen Versöhnungsprozess einzulassen. Unter Gläubigen ist diese gemeinsame Basis der Glaube an Jesus Christus als unseren Retter. Darum nennen wir die erste Phase des Versöhnungsprozesses die Halleluja-Phase. Hier kommen wir als Israelis und Palästinenser zusammen, weil wir Brüder und Schwestern sind, und weil wir glauben, dass Gott uns geboten hat, einander zu lieben und Frieden miteinander zu suchen. Unser Glaube ist unsere Wohlfühlzone, die uns zusammenhält, wenn andere Themen uns zu trennen drohen.

Dennoch scheint unser Glaube zum Stolperstein zu werden, wenn wir über die Geschichtsdarstellungen reden, denn die unterschiedlichen Auslegungen der Bibel führen dazu, dass wir einander eher aus- als einschließen. Dass wir uns voneinander distanzieren, statt uns anzunähern. Gläubige auf beiden Seiten sagen mir oft, wir sollten uns nicht mit dem Konflikt beschäftigen, sondern auf den Glauben konzentrieren – dann würden wir uns versöhnen können. Aber wenn wir unterschiedliche theologische Interpretationen haben, können wir uns nicht versöhnen, solange wir diese nicht durchgearbeitet und eine Theologie der Versöhnung erarbeitet haben.

Wir sind als Menschen nicht in der Lage, uns von einem Konflikt, der uns umgibt, freizuhalten. Wir sind verwickelt in die Geschichtsdarstellung unseres eigenen Volkes, in die theologischen Deutungen, in das Spiel der Mächte und die Gefühle von Ärger und Schmerz, in Schuldzuweisung und Schuld. Das verschwindet nicht einfach, weil wir gläubig sind; es beeinflusst nach wie vor in hohem Maße unser Verhalten.

Ich beobachte das, wo immer Gläubige zusammenkommen, und wir haben es auch auf dieser Konferenz wieder gesehen: Beide Seiten nehmen für sich in Anspruch, die ganze Wahrheit zu besitzen. Als die Diskussion begann, waren Schuldzuweisungen ein ganz wichtiger Punkt. Eine Teilnehmerin sagte: „Es ist wichtig, die Probleme zu diskutieren, damit wir eine Grundlage finden, die hält, wenn etwas passiert.“

Der palästinensischen Geschichtsdarstellung liegt eine Opfermentalität und das Verlangen nach Gerechtigkeit zugrunde. Das palästinensische Volk hat während des gesamten israelisch-palästinensischen Konflikts großes Leid und große Verluste erlebt und erleidet sie bis heute. Eine israelische Teilnehmerin sagte: „Das palästinensische Leiden ist größer und intensiver als das israelische.“ Aber in jedem Konflikt gibt es auf beiden Seiten Opfer, und auf beiden Seiten muss der Schmerz anerkannt werden. In der Opferhaltung stecken zu bleiben, lähmt und verlangt immer nach einem Schuldigen für den eigenen Schmerz. Dann aber ist es unmöglich, dem Leiden der anderen zuzuhören.

In den Diskussionen brachten beinahe alle Frauen zum Ausdruck, dass der Konflikt in ihrem Leben Schmerz und Leiden verursacht hat. Als wir den unterschiedlichen Zeugnissen zuhörten, begannen die Frauen einander zu fragen: „Was kann ich tun, um deinen Schmerz zu lindern?“ Wir hören so oft die Worte Beschuldigung, Schuld, Entschuldigung, Reue, Vergebung, und vielleicht konzentrieren wir uns manchmal zu sehr darauf. Nicht eine der Frauen sagte hier, sie brauche eine Entschuldigung, oder dass jemand seine Schuld eingesteht und um Vergebung bittet. Was sich die Frauen voneinander wünschten, war angehört zu werden. Höre meinen Schmerz an, mein Leid, meine Wahrheit, meine Geschichte. Und akzeptiere es als meinen Schmerz, mein Leiden, meine Wahrheit und meine Geschichte. Du musst dem nicht zustimmen, aber akzeptiere es. Man möchte einfach Mitleid. Wir sind so festgefahren in unserer Nullsummen-Mentalität von Gewinn und Verlust, die dem anderen die Schuld für den eigenen Schmerz zuschiebt, dass wir das Mitleiden vergessen. Dieses Frauen-Wochenende war ganz dem Zuhören gewidmet – nicht zustimmen oder bestreiten, sondern zuhören und respektieren.

 

 

Brückenbauer: Gedanken zu den Erfahrungen meiner Tochter

Liebe Leiter des Brückenbauer-Projekts,

ich möchte euch einfach einmal danke sagen für die viele Arbeit und euren Mut.

Ich habe mit meiner Tochter, die gerade vom zweiten Teil der Brückenbauer zurückgekehrt war, zweieinhalb Stunden zu Mittag gegessen. Es war einer dieser Momente, in denen man als Mutter ein kostbares Geschenk erhält – ich konnte nur noch zuhören. Sie schilderte mir die israelische und die palästinensische Geschichte auf eine Weise, dass ich das Gefühl hatte, sie identifiziere sich ganz mit beiden Seiten. Sie erzählte von Teilnehmern und Leitern und wie nahe ihr euch gekommen seid durch die Geschichten, durch Tränen und Lachen. Sie sprach von den Vorträgen, und wie diese ihr die Augen geöffnet hätten. Dass ihre Identität in Christus bedeutet, frei zu sein, sie selbst zu sein. Dass sie in ihrer Klasse zuhause ebenfalls Feinde hat, die sie lieben sollte; Jungen, die ihre Freundin schlecht behandelt hatten und denen sie darum feindselig begegnete. Ich könnte noch mehr aufzählen. Ich schreibe dies, um euch zu sagen, dass die Unterweisung, die Gemeinschaft, die Zeit, die ihr einsetzt mit den Jugendlichen, eine Investition fürs Leben sind.

Ich habe ein paar Kommentare der Teilnehmer gelesen; ein palästinensisches Mädchen hatte letzten Sommer gesagt, es sei ihr nicht so wichtig, Palästinenserin sein, ihre wichtigste Identität sei in Christus. Jetzt, nach dem zweiten Teil der Brückenbauer sagte sie: „Ich bin mit meiner Identität jetzt mehr im Reinen als vorher.“ Eine andere Teilnehmerin sagte: „Ich bin in meiner Identität als Palästinenserin jetzt besser verwurzelt als vorher, und in Gott kann ich wirklich sein, wer ich bin.“ Sie sagte auch: „Mir ist deutlich geworden, dass wir als palästinensische Araber, die in Israel leben, eine Brücke zwischen Israelis und Palästinensern sein können, denn wir gehören zu beiden, wir kennen und verstehen beide Kulturen und Sprachen.“ Es ist uns nicht nur erlaubt, zu sein, wer wir sind, sondern Gott liebt uns gerade in dem, was wir sind: Palästinenser, Israelis, Norweger. Wenn wir sind, wer wir sind, und uns in unserer Identität wohl fühlen, können wir in unserem Leben mit Gott Kraft entfalten – bis in die Gesellschaft hinein.

Gesegnet seid ihr, die Friedensstifter, die bereit sind, sich von Gott gebrauchen zu lassen, um Frieden in die Herzen und zu den Menschen zu bringen, die viele für schicksalhaft verfeindet halten. Das bedeutet immer auch Zeit, die ihr nicht mit euren Familien und Freunden zusammen sein könnt, Enttäuschungen, harte Arbeit. Aber liebe Brüder und Schwestern: Es ist es wert!

Noch einmal: Danke! Viele liebe Grüße, Jorunn

 

 

Neues von Munayers

Hallo an alle, die dies lesen!

Salim und ich waren im April 23 Jahre verheiratet! Wir sind jede Woche einmal unterwegs zum walken und reden – Fitness und Kommunikation. Wir laufen, und ich rede; Salim nickt und sagt da, wo es nötig ist, „hmm“. Ich bin 50 geworden und wurde mit einer Party in der Talitha Kumi Schule in Beit Jala überrascht: einer der wenigen Orte, wo sowohl meine palästinensischen als auch meine israelischen Freunde mit mir feiern konnten. Vier Wochen lang hatte ich einen hartnäckigen Virus mit Lungen- und Nasennebenhöhlenentzündung. Es war meine erste Lungenentzündung, eine unschöne Erfahrung. Ich huste immer noch. In den letzten Wochen habe ich ein paar Basare gemacht, den Abschluss meines Wellness-Kurses (trotz Krankheit), hatte ein paar Frauen für „Color Me Beautiful“ (CMB) bei mir und war mit CMB auch in Ramallah. Ich bin viel unterwegs mit diesen Aktivitäten in allen Gesellschaftsschichten.

Jack hat uns in den Osterferien für eine Woche besucht; er studiert in Jordanien Arabisch. Er hat sich einen Bart stehen lassen, einen rötlichen... Er wird im August am Musalaha-Trip für junge Erwachsene teilnehmen, bevor er im Oktober nach England geht, um in York Soziologie und Psychologie zu studieren.

Examen und Examen und noch mehr Examen. Noch zwei Monate durchhalten und dann ist es geschafft... Daniel will den englischen Führerschein machen und hat noch anderen Schreibkram in England zu erledigen. Das Spannendste aber ist, dass er Anfang September mit Jugend mit einer Mission an eine Jüngerschaftsschule nach Colorado Springs in die USA geht. Danach geht es für zwei Monate Praxis nach Thailand oder China. Wie seinerzeit für Jack, so fragen wir auch für Daniel, ob jemand ihn gerne finanziell in seinen Bemühungen unterstützen würde. In diesem Fall melden Sie sich bitte bei mir: kayg@netvision.net.il. Die Kosten werden sich einschließlich Flug auf insgesamt ca. 5.000 $ belaufen.

John ist ab September der Älteste zu Hause. Er geht fünfmal in der Woche schwimmen und hat seine Prüfungen für den Abschluss der 10. Klasse angefangen. Diesen Sommer wird er an einem Musalaha-Trip teilnehmen. Daniel und er waren während meiner Krankheit außerordentlich hilfsbereit; treu haben sie mir alles unsere 45 Stufen hinauf und hinunter getragen. Vielleicht möchten sie gerne als große starke Männer gesehen werden, oder vielleicht haben sie ein weiches und hilfsbereites Herz – oder eine Verbindung von beidem?

Sam schwimmt und geht ab September auf dieselbe Highschool wie John, er schläft jetzt gerne länger und stöhnt, wenn wir ihn bitten, etwas zu tun. Er stößt tiefe Seufzer aus und schaut Salim und mich an mit einem Ausdruck von „arme alte Leutchen“ in den Augen. Alles sichere Zeichen für den Beginn der Teenagerjahre. Wir werden versuchen, für die nächsten vier Jahre außer Reichweite zu bleiben. Auf ein Neues, tief Luft holen und weitermachen.

Susu, unser Vogel, mausert sich für den Sommer.

Gestern Abend haben Salim und ich uns lange damit abgequält, über das Internet billige Flüge für den Sommer zu buchen. Wir haben tapfer gekämpft und alles Kichern und die hochgezogenen Augenbrauen der Jungen ignoriert. Wir wollten ihnen zeigen, dass wir es selbst schaffen! Wir werden zu fünft im August nach England fliegen. „Hurra“ von Kay, „ooch“ von Salim (da hat Sam das also her...). August scheint noch weit weg zu sein, vorher stehen noch viele Prüfungen und Schwimmwettkämpfe an, Schreibkram und Impfungen für Daniel, Jacks Vorbereitungen für die Universität, Arbeit, noch mehr Arbeit, Dienst und noch mehr Dienst.

Ich bitte Sie, Daniels Bitte im Gebet zu prüfen. Das ist alles für heute – wie immer herzlichen Dank für Ihr Interesse an unserer Familie und unserem Tun!

Kay Munayer (für Salim und Jack und Daniel und John und Sam und Susu)

 

 

Musalaha-Rundbrief Frühling 2010

Verändertes Leben mitten im Konflikt

Von Jonathan McRay

Die Dame im Tourismusbüro am Jaffator gibt mir einen farbigen Stadtplan der Jerusalemer Altstadt. „Die Alliance Church“, sagt sie auf meine Frage hin, „ist hier.“ Ihr Finger zeigt auf ein Viertel nur ein paar Häuserblocks entfernt. Ich gehe hinaus in den hellen, strahlenden Tag. Ich bin dankbar für jeden Anlass, der mich in die Altstadt bringt. Die Vielfalt, die hier durch die Straßen flutet, ist faszinierend. Juden, Muslime und Christen schieben sich hier Schulter an Schulter durch, auf dem Weg zum Gebet in Synagogen, Moscheen und Kirchen. Die ganze Welt ist in diesen Gassen unterwegs.

Als ich die Alliance Church gefunden habe, lädt mich Jack Sara, der Hauptpastor, mit einer Handbewegung in sein gemütliches Büro ein. Mazzem, der andere Pastor, bringt uns Thymiantee.

Jack ist in der Altstadt aufgewachsen, nur ein paar Häuser von da entfernt, wo wir gerade sitzen, in einer römisch-katholischen Familie. Sehr traditionell und nominell. Er war fünfzehn, als die erste Intifada begann. „Ich habe voll mitgemacht bei dem, was die Kinder taten“, erklärt er, während er vorsichtig an dem heißen Pappbecher nippt. „Wir haben Graffiti gesprüht, die palästinensische Fahne gehisst, Flyer für unsere Unabhängigkeit verteilt. Alles, was wir taten, war illegal; ich war mindestens siebenmal im Gefängnis. Nicht für lange, aber immerhin im Gefängnis.“

Jack trat der kommunistischen Partei bei, die bei den palästinensischen Jugendlichen sehr beliebt war. Aber, sagt er, er hatte das Gefühl, kein Ziel zu haben: „Es war ein dauernder Kreislauf, der mich dazu brachte, über mein Leben nachzudenken: Wollte ich, dass das mein Leben war? Protestieren, verhaftet werden, von der Armee und der Geheimpolizei verprügelt werden, dann entlassen werden und protestieren, verhaftet und verprügelt werden. Dieser Kreislauf ging immer weiter. 1991 kam ich das letzte Mal aus dem Gefängnis heraus – und ich wollte etwas anderes finden. Es musste einen besseren Weg geben, meinem Volk zu helfen, vielleicht durch Bildung und Beratung.“

„Ich hatte einen Nachbarn“, fährt Jack fort, „der war gläubig. Sein Leben hat mich immer beeindruckt. Er war Prediger. Wir hatten viele stundenlange Diskussionen bei ihm zuhause. Und schließlich bin ich zum Glauben gekommen. Mein Leben hat sich drastisch und schnell verändert, alle meine Freunde dachten, ich sei verrückt geworden, weil ich mich um 180 Grad verändert hatte. Ich sehe immer noch eine Verbindung zwischen Religion und Politik. Ich liebe mein Volk. Aber ich musste mein Verständnis von Gerechtigkeit ändern. Ich arbeite immer noch für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.“

Durch seine Beziehung mit dem Prediger erfuhr Jack vom Bethlehem Bible College, wo er bald angenommen wurde. Einer seiner ersten Lehrer war Salim Munayer, der ihn zu einem der ersten Musalaha Wüstentrips einlud. Aber Jack zögerte. Er hatte eine tiefe Wut und Ablehnung gegen das jüdische Volk in sich. „Ich glaube, ich habe sie wirklich gehasst“, sagt er, „aber das ist mir später eingepflanzt worden. Ich bin nicht damit aufgewachsen. Meine Familie hat keinen Hass gehegt. Mein Vater war Elektriker, er hat für eine israelische Firma gearbeitet. Er hatte alle möglichen jüdischen Freunde, und vor der Intifada haben wir uns gegenseitig zu Hause besucht und zusammen gegessen. Das Gefängnis und die Intifada haben mich verändert.“

„Und die Verhöre,“ fügt er leise hinzu. „Ich habe immer noch Narben aus dieser Zeit. Wie sollst du mit fünfzehn, sechzehn damit umgehen? Ich habe das alles gespeichert, auch meine Wut. Ich bin raus gegangen, habe protestiert, habe mich nicht darum geschert, ob da Kugeln flogen. Darüber hätte ich nachdenken können, wenn ich tot wäre. Doch mit Leuten von der anderen Seite zusammenzutreffen, die sich Gedanken machen – das hat mich verändert. Um die Wahrheit zu sagen, ich hatte keine genaue Vorstellung, wer auf diesem Musalaha-Trip dabei sein würde. Ich dachte, es wären nur Leute vom Bible College. Ich hatte keine Ahnung, dass es Juden gibt, die an Jesus glauben.

Die meiste Zeit habe ich mich mit Evan Thomas unterhalten, einem messianischen Pastor aus Netanja. Das hat bei mir die Veränderung ausgelöst. Evan war so freundlich. In der Wüste waren wir erst unsicher und hatten Angst. Den anderen ging es genauso, und wir haben geredet, um die Furcht zu überwinden. Ich war immer noch an so vieles gekettet, ich musste frei werden. Das Wichtigste war das Pflegen von Beziehungen. Das ist mehr als einfach nur mit Evan im Kontakt zu bleiben. Ich habe in seiner Gemeinde gepredigt, und wir haben ihn und andere messianische Pastoren hier auf der Kanzel gehabt.“

Die Jerusalem Alliance Church ist sechzig Jahre alt. Angeregt durch den Prediger aus seiner Straße begann Jack dort hinzugehen, und bald spielte er im Gottesdienst Keyboard. Mittlerweile kommen viele Menschen zum Gottesdienst, die nicht in der Altstadt wohnen, und etliche Gemeindemitglieder sind auf Musalaha-Trips dabei gewesen.

„Ich glaube, Musalaha macht das mit Nacharbeit wirklich gut“, sagt Jack. „Dass die Beziehungen bestehen blieben, war sicher das, was mir bei der Veränderung geholfen hat. Es gibt eine tiefe Spaltung zwischen unseren Völkern, aber ich muss die Veränderung wollen. Hier verändert sich alles. Wenn du nur einmal zu Besuch kommst, entgeht dir das. Aber wenn du öfter kommst, kannst du sehen, dass sich im Land viel verändert hat – oft zum Schlechten. Vielleicht könnten wir auch was zum Guten verändern.“

Jack Sara ist Mitglied des Musalaha-Komitees.

 

 

Musalaha über die Schulter geschaut

Frauenarbeit, Louise Thomsen

Im Konflikt hat die Stimme der Frauen Einfluss und Kraft, aber in unserer männlich dominierten Gesellschaft wird ihre Stimme oft ignoriert oder an den Rand gedrängt. Frauen sind im Konflikt nicht nur Opfer, sondern auch die, die Veränderungen anstoßen, die mit ihrem Mut, ihrer Hingabe und Entschlossenheit, mit Toleranz, Mitleid, Vergebung und praktischen Lösungen handeln. Musalaha bietet israelischen und palästinensischen Frauen ein Forum, sich zu treffen und miteinander zu versöhnen, und versetzt sie durch Training in die Lage, eine führende Rolle bei der Versöhnung in ihren Gemeinschaften zu übernehmen. Hunderte palästinensischer und israelischer Frauen treffen sich in kleinen organisierten Gruppen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene.

 

Nationale Gruppen

Gruppen von je zehn israelischen und palästinensischen Frauen treffen sich, um schwierige Fragen anzugehen und als Leiterinnen ausgebildet zu werden. Die Gruppen treffen sich viermal im Jahr. Zurzeit hat Musalaha sechs nationale Gruppen und jedes Jahr kommt eine Gruppe dazu.

 

Regionale und lokale Gruppen

In Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten treffen sich jeden Monat Gruppen von 50 Frauen, um sich in Versöhnung  schulen zu lassen und Probleme ihrer Region zu besprechen. Die Frauen sollen eine aktive Rolle in sozialen Fragen übernehmen können, indem sie Veranstaltungen wie Sommercamps, Tage für Behinderte und Aktionen für Bedürftige organisieren lernen. Im Moment gibt es bei Musalaha drei regionale und fünf lokale Gruppen.

 

Die „dritte Seite“

Dies sind die Frauen, die weder Jüdinnen noch Palästinenserinnen sind, aber dauerhaft im Land leben, weil sie hier verheiratet sind, oder aus beruflichen Gründen. Sie sind vom Konflikt mitbetroffen und haben einzigartige Möglichkeiten, zwischen den beiden Seiten eine Brü-ckenfunktion zu übernehmen. Diese Frauen kommen dreimal pro Jahr zusammen und treffen sich zweimal im Jahr mit nationalen Gruppen.

 

Muslimisch-christliches Komitee

2009 haben wir unsere Frauenarbeit ausgeweitet, um den Dialog mit Frauen anderen Glaubens zu ermöglichen und ein größeres Verständnis und Brückenbau zwischen den Gemeinschaften zu fördern. Dieses Projekt hat zum Ziel, Frauen dazu zu befähigen, in ihrem Umfeld den Brückenbau zur anderen Seite anzustoßen. Eine Gruppe aus je sieben Muslimas und Christinnen aus Bethlehem trifft sich monatlich, um miteinander zu reden und zum Wohl ihrer Gemeinschaften zusammenzuarbeiten. 2011 möchten wir jüdische Frauen in diesen Dialog mit einbeziehen.

 

Entwicklungsprojekt

Die Frauenarbeit startet ein neues Projekt in Bethlehem, das benachteiligten Frauen aller Glaubensrichtungen zugute kommen soll durch Zugang zu Bildung, einen Workshop über Frauenrechte und soziale Fürsorge.

 

Junge Erwachsene, Nussi Khalil

Junge Erwachsene stehen an einem Scheideweg in ihrem Leben, sie fällen Entscheidungen, festigen ihre Wertvorstellungen und lernen, für das einzustehen, woran sie glauben. Das Programm für junge Erwachsene bildet eine Plattform für Beziehungen, Austausch, Trauer und Vergebung.

 

Brückenbauer

Im vergangenen Sommer traf sich eine Gruppe junger Erwachsener aus Norwegen, Palästina und Israel in Norwegen; dieses Jahr werden sie ihren Versöhnungsweg mit einem gemeinsamen Wüstentrip fortsetzen. Über das Passahfest werden die jungen Leute den israelisch-palästinensischen Konflikt näher angehen.

 

Nacharbeit

Viele der jungen Erwachsenen, die schon seit Jahren mit dem Thema Versöhnung unterwegs sind, haben sich in die Geschichtsdarstellungen und die Frage nach der Identität vertieft. Sie werden im Mai nach Zypern fliegen, um diese Themen weiter zu vertiefen.

 

Sound and Sand

Israelische, palästinensische und amerikanische junge Erwachsene werden zusammen das Trennende überbrücken: Sie werden 2010 gemeinsam campen, wandern, lernen und in Gemeinden im Bundesstaat Washington sprechen. Im Sommer 2011 planen sie zwei Wochen Wandern im Sand des Wadi Rum in Jordanien: unter den Sternen schlafen, lernen, über kulturelle Grenzen hinweg zu kommunizieren, Versöhnung, Angst, Vergebung.

 

Öffentlichkeitsarbeit, Joshua Korn

Bei den Veröffentlichungen haben wir einige spannende Projekte vor uns. Salim Munayer schreibt zusammen mit Akiva Cohen ein Buch über die Theologie der Versöhnung. Außerdem arbeit er mit Lisa Loden an der zweiten Auflage des Buchs The Bible and the Land. Dieses Buch wird hoffentlich noch dieses Jahr erscheinen. Es wird eine Reihe unterschiedlicher Artikel von israelischen messianischen Juden, von palästinensischen Christen und Christen aus dem Westen enthalten.

Wir arbeiten auch an einem Buchprojekt, mit dem Jonathan McRay schon länger beschäftigt ist. Er hat in den letzten fünf Monaten viele Israelis und Palästinenser interviewt, die mit Musalaha unterwegs waren, und hat so eine Reihe von Erzählungen zusammengetragen.

Und schließlich hat das Musalaha-Team in den letzten Monaten an einer Art Curriculum für Versöhnung gearbeitet. Wir sind ungefähr in der Mitte dieses Projekts. Es ist ein sehr umfangreiches und ehrgeiziges Vorhaben, das viel Forschen und Schreiben erfordert. Es soll als Trainingshandbuch für die Leiterinnenausbildung der Frauen dienen, aber auch für andere Arbeitsbereiche und andere Organisationen, die unsere Vision teilen, einsetzbar sein.

 

Jugendtraining Galiläa, Shadia Qubti

Unsere Arbeit breitet sich über das ganze Land aus. Der Herr hat uns die Türen geöffnet, palästinensisch-israelische Jugendleiter auszubilden. Wir möchten diese Jugendlichen dazu ausbilden, in Galiläa Veränderungen anzustoßen. Als ein Teil ihrer Ausbildung müssen sie eine Studienfahrt für Jugendliche organisieren, bei der die historischen und religiösen Verbindungen zum Land Thema sind, sodass die Jugendlichen lernen, sich an ihrer eigenen Gesellschaft zu beteiligen. Auch an einem Medienprojekt sollen sie teilnehmen, das das Leben Jugendlicher dokumentiert und die Herausforderungen und Vorteile eines Lebens als palästinensisch-christliche Minderheit in Israel zeigt.

Die Jugendlichen stehen unter dem Einfluss der palästinensischen, arabischen, israelischen und islamischen Kultur, neben der weltweiten Jugendkultur. Als Folge davon ist ihr Leben geprägt von Drogen, Alkohol, Nikotin, Gewalt und Risikobereitschaft; sie sind voll von Ärger, Frustration, Bitterkeit und Ablehnung. Sie stehen einem moralischen und ethischen Dilemma gegenüber: Sie streben nach Individualität, während ihre Gesellschaft und Tradition Gemeinschaft verlangen.

Als Palästinensern fehlt ihnen die nötige Infrastruktur, um diesen Konflikt anzugehen und zu bearbeiten. Da die israelischen Palästinenser die natürliche Brücke zwischen der israelischen und der palästinensischen Gesellschaft sind, ist es wichtig, dass sie lernen, zu Botschaftern der Veränderung in ihren örtlichen Gemeinschaften und dann auch der weiteren Gesellschaft zu werden.

 

Jugendarbeit, Tamara Kuttab

Die Jugendlichen von heute sind die Leiter von morgen. Sie bestimmen unsere Zukunft. Darum ist so wichtig, dass wir sie ausbilden, dass sie „die anderen“ treffen und Beziehungen entwickeln zu denen, die ihre Gesellschaft als Feinde bezeichnet. Die Jugendlichen machen einen großen Teil der israelischen und palästinensischen Gesellschaft aus. Durch die Gemeinschaft bei Musalaha sollen sie lernen, wie wichtig moralisches und ethisches Handeln ist.

 

Wüstentrip

Dieses Jahr im Frühling fahren wir mit einer neuen Gruppe von 13-15-Jährigen in die Wüste: Beziehungen bauen, Kamel reiten und wandern auf den Höhen des Negev. Sie werden sich mit dem Leben Josephs befassen und miteinander diskutieren.

 

Training in der Westbank

Als wir vor zwei Jahren das Training für die Jugendleiter vorbereiteten, haben wir festgestellt, dass es in der Westbank zwar Jugendgruppen gibt, es ihnen aber an Leitern fehlt. Um diesen Jugendlichen besser dienen zu können, halten wir es für notwendig, Jugendleiter in den Themen Versöhnung, Gewaltlosigkeit und Toleranz auszubilden, damit sie wirkungsvolle Jugendleiter und Botschafter der Veränderung sein können. 2008 und 2009 hatten wir fast 60 Jugendleiter in unseren Anfängerkursen. Diese 60 nehmen nun am Fortsetzungskurs teil.

 

Jugendarbeit in der Westbank

Die Jugendleiter, die wir in den vergangenen Jahren ausgebildet haben, leiten jetzt ein Programm, das die Jugendlichen mit Bildung, Kultur, Demokratie und sozialen Fragen vertraut machen und sie in die Lage versetzen soll, ihr Wissen in ihre Gemeinschaften hineinzutragen. In der palästinensischen Gesellschaft werden die genannten Themen auf offizieller Ebene nicht ausreichend behandelt, aber sie sind grundlegend für die Bildung und Entwicklung der palästinensischen Gesellschaft.

 

Sommercamp

Kinder sind die Versöhner der nächsten Generation, die lernen können, was es heißt, in einer Gesellschaft ohne den Hass und die Feindschaft aufzuwachsen, die in ihren Gemeinschaften allgegenwärtig sind. Das Sommercamp ermöglicht es palästinensischen und israelischen Kindern, schon in jungen Jahren zu Friedensstiftern zu werden. Sie haben diese Möglichkeit in einem neutralen, freundlichen und fröhlichen Camp, wo sie anhand der Bibel lernen, Toleranz, Versöhnung und Liebe zu leben.

 

 

Studienreisen

Berichte von Teilnehmern an Musalaha-Studienreisen

Steve Openshaw, Bolton/England, St. Peter’s Kirche

Den Teilnehmern wurden die Augen geöffnet für einige wunderbare Dinge, die der Herr in Israel und den palästinensischen Gebieten durch Menschen und Organisationen tut. Für einige war dies auch eine spirituelle Reise. Ich bin sicher, dass diese Reise einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird.

 

Mary Pandiani, Chapel Hill Presbyterian, Washington, USA

Vom Gehen in den Straßen Bethlehems bis zu den messianischen Gottesdiensten bekamen wir einen Eindruck von zwei Welten. Durch Musalaha erkannten wir die Notwendigkeit, diese beiden Welten miteinander zu verbinden. Flüchtlingslager und Siedlungen, Wachen und Polizei, Holocaust und Nakba – der Konflikt erscheint überwältigend. Eine simple Antwort banalisiert die bestehende Not. Dennoch bringt mitten in allem die Versöhnungsbotschaft Christi Hoffnung. Es ist tatsächlich die einzige Antwort. Musalaha bietet die Möglichkeit, dem Schmerz und dem Leid aller Betroffenen zu begegnen: Juden, Christen, Muslime, Palästinenser, Israelis. Gleichzeitig hält Musalaha Jesu Gebot hoch: Wir sollen uns miteinander versöhnen, wie Christus uns mit sich versöhnt hat.

 

Sheri Blackmon, Oak Park, Kalifornien, USA

Die meisten Amerikaner, die das Heilige Land besuchen, treffen nie einen palästinensischen Christen und verpassen so einen wichtigen Teil dessen, was Israel seinen Besuchern zu bieten hat. Wir haben eine Woche damit verbracht, jüdische und palästinensische Gläubige in einem Kindercamp kennen zu lernen. Danach sind wir für eine Woche im Land herumgereist. Zum Teil war es eine Tour zu den biblischen Stätten, aber die letzten Tage waren ungewöhnlich: Wir blieben in Bethlehem und durften die wunderbare Gastfreundschaft des Bethlehem Bible College genießen. Manches Mal gingen uns bei den Vorträgen und Rundgängen die Augen auf. Mir hat sich vor allem der Weg durch die langen Korridore der Grenzanlagen tief eingeprägt. Wir waren auf dem Weg zu unserem Bus in Richtung Jerusalem, gleichzeitig kamen die palästinensischen Arbeitnehmer von ihrer Arbeit in Jerusalem zurück. Ich spürte etwas von ihrer dauernden Trennung von ihren jüdischen Nachbarn, den Sicherheitskontrollen und der ungleichen Behandlung, was ihre Rechte und den Zugang zu Ressourcen wie v. a. Wasser angeht. Wie das Land zerstückelt wird, um mehr Raum für jüdische Siedler zu haben und die verfeindeten Seiten auseinander zu halten, kann man nur erfassen, wenn man es gesehen hat. Von den Schwierigkeiten zu hören, denen die Christen auf beiden Seiten jeden Tag begegnen, und ihren Mut und ihre Überzeugung mitzuerleben, hat mich inspiriert. Besonders aufgefallen ist mir, dass die Christen in Palästina für die amerikanischen Christen oft unsichtbar bleiben, und ich will tun, was ich kann, um das zu ändern.

 

Chuck Orrestad, CISF Gruppe

Diese Reise war erhellend, sie hat uns die Augen geöffnet und uns Informationen vermittelt. Der „schwerere“ Teil unseres Programms, der intellektuelle, theologische (betr. Land) und emotionale, war kraftvoll. Am Ende nach Galiläa zu fahren, war genau richtig. Die ruhige Fahrt in den Norden gab uns allen die Möglichkeit, auszuruhen und einen Teil dessen, was wir gehört hatten, zu verdauen. Galiläa hat einen Frieden und eine Ruhe an sich, die im Kontrast zu unseren Tagen in der Stadt mit einem halsbrecherischen Studienprogramm so richtig zur Geltung kam.

 

John Nitta, Ev. Free Fullerton, Kalifornien, USA

Das Training bei Musalaha war großartig und gut durchdacht. Die Studenten genossen ihre Zeit mit Salim und waren ermutigt, zu hören, was ihm auf dem Herzen liegt. Es war breiter Konsens, dass seine Vorträge die Zuhörer gut darauf vorbereitet haben, den Konflikt zu verstehen.

 

Lance Brown, Chapel Hill Presbyterian, Washington, USA

Ich bin so dankbar für alles, was Musalaha getan hat, um dies zu einer prägenden Erfahrung werden zu lassen – und für das persönliche Engagement, das ihr gebracht habt, um das verfilzte Knäuel in meinem Kopf und meinem Herzen aufzulösen. Ich wünsche mir sehr, dass dies mehr ist, als einfach eine beeindruckende Erfahrung, die mich die Zeitung anders lesen lässt.

 

Brigitte, Philippus-Dienst, Deutschland

Tief berührt hat uns das Leben eines jungen Mannes, der durch einen Musalaha-Wüs-tentrip verwandelt wurde: von einem, der Steine wirft, hin zu einem, der erkennt, dass eine friedvolle Antwort viel notwendiger ist als Gewalt. Wir haben gesehen, dass eine solche Wandlung nur durch die Gnade Christi geschehen kann.

 

 

Neues von Munayers

Hallo zusammen!

Jack (20) studiert bis Ende Juni Arabisch in Amman. In den sieben Monate zwischen seiner Zeit bei JMEM und dem Studium übernahm er verschiedene Kinderbetreuungsjobs, bewarb sich an vier Universitäten in England und wurde angenommen. Er machte den TOEFL-Test in Englisch und das SAT-Examen (beides Englischprüfungen, um im englischsprachigen Ausland studieren zu können). Seine langfristige Perspektive ist ein Psychologie- und Soziologiestudium in England ab Oktober.

 

Daniel (18) ist volljährig und fährt Auto, ohne dass sein Vater oder ich nervös daneben sitzen. Er hat in seiner Altersklasse die Goldmedaille im Jerusalemer 5000 m-Lauf gewonnen und sich so für die Landesmeisterschaften qualifiziert. Ebenso sein Bruder John, der ebenfalls in seiner Altersklasse Gold gewonnen hat. Bei den Landesmeisterschaften ist Daniel als 13. ins Ziel gekommen – ein fantastisches Ergebnis für ihn als nicht trainierten Läufer.

Bis Juni hat er nun etliche Prüfungen vor sich. Er überlegt, ebenfalls zu JMEM zu gehen. Er ist sehr mit der Gemeinde verbunden und hängt an seiner Jugendgruppe (Neria). Er entwickelt sich zu einem außergewöhnlichen jungen Mann und einem großen Zeugen für seinen Glauben.

 

John (16) steht vor den Prüfungen der 10. Klasse zum Schulabschluss. Er paukt (gezwungenermaßen) Übersichten für Geschichte. Den Tag zusammen mit Daniel an den Landesmeisterschaften genoss er sehr. John kam als 15. ins Ziel – ein großartiges Ergebnis. Außerdem schwimmt er bei den nationalen Meisterschaften mit.

John hat viele, viele gläubige Freunde, von denen viele weit entfernt wohnen, und das hält ihn mit Facebook und endlosen Telefongesprächen beschäftigt.

 

Sam (12) darf endlich im Auto vorne sitzen! Er hat sehnlichst darauf gewartet, es hier seinen Brüdern gleichtun zu können. Dieses ist das letzte Jahr der Elementary School, ab Herbst wird er zur High School gehen (er kann es kaum abwarten). John wird da sein, um ihn im Auge zu behalten.

Er hat sich für vier Läufe der nationalen Schwimmmeisterschaften qualifiziert. Schwimmen hat einen wichtigen Platz in seinem Leben, und er wünscht sich sehr zu wachsen, damit er stärker wird.

 

Salim: Reisen in die USA und nach Kanada, Jetlag und wieder Jetlag. Er addiert Zahlenreihen, rechnet und wiegt den Kopf hin und her: Vorbereitungen für Jacks Studium und Daniels Auslandsjahr. Ein bisschen älter, ein bisschen kahler, ein bisschen müder, aber ein bisschen schlanker!

 

Und dann bin da noch ich, Kay: gut beschäftigt mit den Frauen der „Dritten Seite“, Alpha 2, meinem Wohltätigkeitsengagement, dem Taxidienst für die Kinder, dem Schreiben an Jack, dem allgemeinen Dienst eines Haussklaven und einem Wellness-Kurs.

 

Vielen Dank fürs Lesen!

Kay Munayer

 

 

Musalaha-Rundbrief Winter 2009

 

Musalaha feiert 20 Jahre fruchtbaren Dienst

Gegen Ende des Jahres 1988, während wir beide an einem Studienprogramm zur Ausbildung einheimischer Leiter teilnahmen, kam Salim Munayer mit einer Vision auf mich zu, die seinem Empfinden nach Gott ihm gegeben hatte. Während er mir in groben Zügen den biblischen Ruf zur Versöhnung für unsere beiden zerstrittenen Völker darlegte, begann tief in mir etwas zu schwingen. Und als er mich bat, mit ihm zusammen aus diesen Ideen praktische Initiativen in unseren jeweiligen Glaubensgemeinschaften zu entwickeln, war meine Antwort ein unmittelbares – Ja! Kurz danach wurde Musalaha mit einfachen Strukturen ins Leben gerufen, mit Salim als Direktor und einem Komitee aus palästinensisch-christlichen und jüdisch-messianischen Leitern in gleicher Zahl. Dieses Prinzip der ausgewogenen Leitung wurde schnell zum Kennzeichen für alle Musalaha-Initiativen und ist es bis heute.

 

Vor 25 Jahren war Versöhnung kein zentrales Thema für die Christen hier im Land. Die arabisch- und hebräischsprachigen Gemeinden hatten sporadisch Gemeinschaft. Aber dann änderte sich mit dem Beginn der ersten Intifada (Aufstand der Palästinenser) alles: Junge messianische Militärdienstleistende wurden in die Unruhen verwickelt und junge palästinensische Christen, die unter der Frustration, der Entwürdigung an den Checkpoints und der militärischen Besetzung litten, schlossen sich dem Widerstand an. Die Spaltung zwischen beiden Gruppen wurde tiefer, und der Ruf Jesu zur Einheit seines Leibes immer dringlicher.

 

Musalaha reagierte mit dem ersten Wüstentrip – junge Erwachsene von beiden Seiten, danach ältere, erfahrene christliche Leiter, Männer und Frauen gemeinsam. Wir verließen die Sicherheit und Bequemlichkeit des eigenen Zuhauses. Jetzt wurde die schroffe Umgebung der Wüste unser „Klassenzimmer“, wo wir einander – oft zum ersten Mal – auf Augenhöhe begegneten. Diese ersten Tage waren für uns alle herausfordernd: Wir lernten, zusammen zu beten, Bibel zu lesen, anzubeten und Beziehungen aufzubauen, die die feste Grundlage werden sollten für den vielfältigen Dienst von Musalaha heute.

 

Die drei- und fünftägigen Wüstentrips und unterschiedlichen Seminare in den ersten Jahren haben bei uns die Fähigkeit wachsen lassen, einen Schutzraum für diese neuen Beziehungen zu bauen, damit sie den Herausforderungen standhalten können, die unausweichlich damit verbunden sind, wenn wir mit den schwierigen Themen Land, Konflikt, Friedenshindernisse umgehen. Die, die entschlossen waren, dabei zu bleiben, bildeten mit der Zeit einen wachsenden Kreis von Leitern, die sich dieser Vision verschrieben und willens waren, auch gegen den Widerstand aus den Gemeinschaften für Einheit und Frieden einzutreten. Auf beiden Seiten waren nun Menschen, die den Schritt wagen wollten, sich für Versöhnung und Frieden einzusetzen, statt am Konflikt teilzunehmen. Diese neue Dynamik gab Musalaha den Antrieb, Literatur zu produzieren und Leiterschulungen zu konzipieren, die genau auf unser Konfliktgebiet zugeschnitten sind. Und dies wiederum bringt direkt Frucht in anderen Bereichen unseres Dienstes.

 

Die Jugendleiter aus beiden Volksgemeinschaften erhalten miteinander eine professionelle Ausbildung mit hoher Qualität. Die Musalaha-Sommercamps und die Jugendinitiativen (einschließlich der Einsätze im Ausland) gehören zum Besten, das hier im Land zu finden ist. Kinder, die am Camp teilgenommen haben, kommen oft als Mitarbeiter wieder und bilden so eine gesunde Kontinuität. Die Frauenarbeit ist schnell gewachsen und ist inzwischen der größte und aktivste Teil von Musalaha. Viele Frauen wirken hinein in ihre Volksgruppe, organisieren verschiedene Aktivitäten und haben Einfluss auf Kinder und Jugendliche. Es gibt ein erfolgreiches Programm von muslimischen und christlichen Frauen, in das hoffentlich bis 2010 auch jüdische Frauen integriert werden können. Alle Initiativen wachsen und haben einen spürbaren Einfluss auf ihre Volksgemeinschaften: Sie bieten Beziehung, Gemeinschaft und den Brückenschlag zwischen den Gemeinschaften.

 

Es war ein großes Vorrecht zuzusehen, wie die Glaubwürdigkeit von Musalaha in den Augen von Christen anderer Länder stetig gewachsen ist. Das Zeugnis von unseren Erfolgen (und schmerzlichen Niederlagen) und unsere Methoden, die mitten in einem der konfliktreichsten Gebiete der Welt erprobt wurden, sind nun Vorbild für andere.

Darum können wir von Zeit zu Zeit Gruppen aus anderen Ländern einladen, von uns zu lernen. Bei denen, die wir motivieren können, mit uns für Versöhnung zu arbeiten, steigt das Bewusstsein für unseren Konflikt.

 

Für all dies gebührt nur Gott die Ehre: Er erweist uns die Kraft seiner Gnade und die Wahrheit seines Wortes, durch die unser Leben und das Leben unserer Volksgemeinschaften verändert wird. Der Nahe Osten ist instabil und die Gemeinden des Neuen Bundes hier in Israel/Palästina sind von diesen schmerzhaften Auseinandersetzungen mit betroffen. Hat Musalaha der Herausforderung genügt, andere Maßstäbe anzubieten? Ich bin davon fest überzeugt, und die Frucht dieser Bemühungen wird eine solide Grundlage für die kommenden Generationen sein.

Evan Thomas

Vorsitzender des Musalaha-Komitees

 

 

Geschichtsdarstellung der Israelis und der Palästinenser

Von Jonathan McRay

An jedem Passah-Fest erinnern sich die Juden an die Befreiung aus der Unterdrückung, die sie in Ägypten erlitten haben. Sie erzählen, dass es in jeder Generation jemanden gegeben hat, der das Volk vernichten wollte, aber Gott befreite sie, führte sie nach 2000 Jahren zurück in das verheißene Land, wie er es auch in der Vergangenheit getan hatte.

Jedes Jahr im Mai gedenken die Palästinenser eines anderen Exodus – nicht einer Befreiung, sondern einer Vertreibung, bei der sie ihre Heimat in einem Land, zu dem sie reiche geschichtliche und religiöse Verbindungen haben, verlassen mussten. Immer wieder betonen sie ihre lange Präsenz hier trotz Besatzung durch Kreuzfahrer, Ottomanen und bis hin zu den Israelis: „Wir werden unterdrückt und tragen keine Verantwortung für unsere Situation.“

 

Israelis und Palästinenser haben ihr je eigenes Verständnis von Unterdrückung, entsprechend ihren Erfahrungen in der Geschichte. Am 4./5. Oktober 2009 haben sich im Rahmen der Nacharbeit zur Konferenz für junge Erwachsene 28 junge Israelis und Palästinenser zusammengesetzt und ihre je eigene Geschichtsdarstellung analysiert und hinterfragt. Es war ein Experiment, aber ein wichtiges, und diese Konferenz entpuppte sich als die tiefste und intensivste von allen.

Um den Diskussionen an diesen beiden Tagen einen Rahmen zu geben, stellte Salim Munayer das Konzept von Geschichtsdarstellung vor. Geschichtsdarstellung (engl. narrative) bedeutet sowohl Geschichte als auch Propaganda. In dieser Geschichtsdarstellung kommt die Vergangenheit eines Volkes zur Sprache, aber sie enthält auch eine Vision der Zukunft und stellt durch die gemeinsame Erzählung Identität her. Geschichte und Geschichten vermitteln Sinn und Heilung, wenn sie für Veränderung und neue Perspektiven offen bleiben. Aber die Geschichtsdarstellung kann verzerrt sein – und ist es oft –, um einen Konflikt zu rechtfertigen und Exklusivität zu erzeugen. Denn Geschichte ist nicht eine feste Größe mit nur einer unbestreitbaren Version; sie ist vielmehr ein Muster von ineinander verschlungenen und oftmals widersprüchlichen Geschichten.

Jede Geschichte hat mindestens zwei Seiten, das ist bei der Geschichtsdarstellung nicht anders. Eine Geschichte wird immer von einer bestimmten Person mit einer bestimmten Weltsicht erzählt. Eine Balance kann hergestellt werden, wenn eine zweite Person dieselbe Geschichte erzählt, wobei die beiden Geschichten sich gegenseitig ergänzen.

 

Die Einheiten zur israelischen und palästinensischen Geschichtsdarstellung waren eine große Herausforderung. Beabsichtigt war, jeweils eine kollektive Geschichtsdarstellung zu präsentieren und dann Raum zu geben zur Analyse durch Kritik an bestimmten Aspekten.

Zwei Israelis präsentierten gekonnt die israelische Darstellung und boten damit die allgemeine Sicht der Geschichte in der israelischen Gesellschaft. Sie begannen mit der biblischen Geschichte des jüdischen Volkes, dem Exil und Leben in der Diaspora in anderen Ländern und schilderten ihre Sehnsucht nach einem jüdischen Heimatland und die Schrecken des Holocaust, die zur Errichtung des Staates Israel führten. Am Ende ihres Vortrags stellten sie offen und ehrlich einige grundlegende Annahmen in Frage, wie zum Beispiel, dass das Land kaum bewohnt und eine leblose Wüste gewesen sei, dass die Israelis die Einzigen seien, die Frieden wollen, und dass es ein palästinensisches Volk nicht gibt und niemals gab.

 

Salim trug leidenschaftlich die palästinensische Darstellung vor, erklärte die tiefe und alte Bindung an das Land, den Schmerz der gewaltsamen Vertreibung durch die Nakba (arabisch für Katastrophe, bezeichnet die Vertreibung der Palästinenser im Krieg 1948), das Verlangen nach einem palästinensischen Heimatland und das Leiden unter der israelischen Besatzung.

Er erzählte, wie sein Vater die Leichen derer begrub, die während der Nakba von jüdischen Extremisten ermordet worden waren. Er stellte den in der palästinensischen Gesellschaft vorherrschenden Glauben in Frage, dass die Juden keine religiöse oder historische Bindung an das Land haben und prangerte den Mangel an Verständnis für das Leiden der Juden, besonders im Holocaust, an.

Viele haben, was den Konflikt angeht, ein Entweder-Oder-Denken: Sie glauben, dass ihr persönlicher Schmerz illegitim wird, wenn sie das Leiden der anderen anerkennen. Die Vorträge und ihre Kritik führten zu lebhaften Diskussionen über die problematischen Themen und offenbarten das Bedürfnis, diese Geschichtsdarstellungen weiter zu analysieren.

 

Die letzte Einheit war ganz der Reflexion und dem offenen Dialog gewidmet und wurde durch Evan Thomas moderiert. Für viele Betroffene waren die Vorträge sehr schwierig gewesen, und die verletzten Gefühle und die Frustration wurden jetzt ehrlich mitgeteilt. Diese Konferenz hat deutlich gemacht, wie wichtig es ist, den Unterschied zwischen der Versöhnung von Menschen und der Versöhnung von Gruppen wahrzunehmen: Wir sind hier vielleicht zusammengekommen, aber danach gehen wir zurück in unser eigenes Lager und in das unausgewogene Machtverhältnis zwischen unseren beiden Gruppen. Nur wenn unsere Geschichtsdarstellung im Licht der Erfahrungen der anderen verändert wurde, kann wirkliche Versöhnung und damit Veränderung stattfinden, sowohl auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene.

 

Ein palästinensischer Teilnehmer war besonders betroffen bei der direkten Gegenüberstellung der beiden entgegengesetzten Sichtweisen: „Manchmal, wenn über die israelische Geschichtsdarstellung gesprochen wurde, habe ich dagesessen mit zusammengebissenen Zähnen und habe gedacht: ‚Das stimmt nicht!’ Und als die palästinensische Darstellung dran war, sah ich einige der Israelis dasselbe tun. Ich glaube, wenn man Palästinenser und Israelis einfach von der Straße zu so etwas zusammenbringt, fliegen die Fetzen.“

‚Talitha Kumi’ ist aramäisch und bedeutet: ‚Mädchen, steh auf!’ Dies steht im Markusevangelium in der Geschichte, in der Jesus die Tochter des Jairus auferweckt. Die Kinder Gottes, die ihre Feinde lieben, sollen den geflüsterten Ruf von Gerechtigkeit und Frieden, der Leben atmet, hören und auferweckt werden. Gerade in der hitzigen Debatte über Identität müssen wir uns daran erinnern, dass wir unsere Identität erst verlieren müssen, um sie dann neu zu finden. Wir sind alle zu dieser Konferenz gekommen, weil wir uns einer versöhnlichen Geschichtsdarstellung verpflichtet wissen, in der es um ein Königreich, einen Weg und ein Festmahl geht, wo es weder arm noch reich, weder Palästinenser noch Israeli geben wird.

 

 

Versöhnung für Leiter

Von Jonathan McRay

Mehr als zwanzig Leiter von israelischen und palästinensischen Gemeinden verbrachten zusammen mit ihren Familien eine Woche in Deutschland auf der Musalaha-Konferenz für Leiter und ihre Familien. Es ist eine Vision von Musalaha, Leiter aus israelischen und palästinensischen Gemeinden auszubilden, sodass sie in ihren Gemeinden zu Versöhnern werden. Dabei hat Musalaha die ganze Familie im Blick, denn sowohl die israelische als auch die palästinensische Gesellschaft ist um die Familie als Kern herum strukturiert. Wenn die Familie zu einer versöhnten Versöhnerin zusammenwächst, kann sie als ganze Veränderung in ihrer Gesellschaft bewirken.

Die Leiterkonferenz ist der Ausgangspunkt für die Ausbildung von Beziehungsnetzwerken. Die Rede von „denen“ und „uns“ wird abgebaut und macht Platz für eine neue Art von „wir“.

Die Konferenz fand vom 14. bis zum 21. August auf der Langensteinbacher Höhe statt. Diese ruhig gelegene Bibel-Konferenzstätte war ein idealer Tagungsort und bot viele Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten, die den Teilnehmern Zeit und Gelegenheit boten, Gedanken und Gefühle wachsen zu lassen. Unter der umsichtigen Leitung von Eckhard Maier bildeten die Familien feste Beziehungen und lernten an seinem demütigen Beispiel gegenseitiges Dienen.

 

An jedem zweiten Tag wurden die Theorie und die Praxis von Musalaha durch Lehreinheiten, Workshops und Aktivitäten für die ganze Familie vermittelt. Salim Munayer und der israelische Pastor Oded Shoshani kümmerten sich um Lehre und Leitung der Konferenz. Die Einheiten der Woche gliederten sich in verschiedene Segmente aus Theorie und Praxis. In einer Einheit ging es anhand von Epheser 2 – Niederreißen der trennenden Mauern und Schaffen einer neuen Identität – um die Beziehungen zwischen Familien aus unterschiedlichem Hintergrund. Eine andere Einheit zeigte die Theologie der Versöhnung, die ihre Wurzeln im Wesen Gottes hat, wie es uns in 1. Johannes 4 vor Augen gestellt wird: in der Liebe. Die Teilnehmer diskutierten auch die sozioökonomischen und politischen Fragen, die den Versöhnungsprozess beeinflussen.

 

Im Zusammenhang mit dieser Einheit gab es auch eine Zeit zum Austausch über die Hindernisse der Versöhnung und Wege der Vergebung. In kleinen Gruppen studierten die Teilnehmer, was bei Matthäus über Vergebung steht. Das ist gar nicht so einfach, denn die meisten von uns sind daran gewöhnt, dass für die Vergebung eine bestimmte Art von Reue gegeben sein muss. Aber die Worte Jesu handeln von einer unmöglichen Vergebung, einer Vergebung, die nicht Reue voraussetzt, sondern sie erst möglich macht.

Viele hatten versucht, ihren Schmerz zu vergraben und hatten nun Mühe damit, die bitteren Gefühle wieder hochkommen zu lassen. Manche waren überrascht, dass ihr Ärger wie ein Eisberg unter der Oberfläche viel größer war. So auch bei einem palästinensischen Leiter, dessen tief verwurzelter Schmerz seine Ursache hatte in der Zerstörung, die seinem Dorf und seinem Volk widerfahren war. Israelis und Palästinenser erlebten eine verändernde Reinigung, als sie gezwungen waren, einander gegenüber zu sitzen und die Entmenschlichung, Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Schikanen anzusehen und zu überwinden.

 

„Es war gut, meinen Brüdern von der anderen Seite zuzuhören“, sagte Rafi Shimon aus Rehovot. „Persönlich hatten wir vielleicht nicht viel zu vergeben, denn wir kannten uns vorher ja nicht. Aber wir haben gemeinsam im Austausch Vergebung praktiziert.“ Er empfand diese herausfordernde Erfahrung als einen Ruf, tiefer zu gehen. „Wir müssen das konkret werden lassen, wir müssen Beziehungen aufbauen, denn wir dürfen nicht einfach bei unserer eigenen Versöhnung stehen bleiben, wir müssen das weiter tragen. Wir müssen vorwärts gehen.“

 

Am letzten Abend kamen wir alle zur Feier des Abendmahls zusammen. Die Jugendlichen teilten Brot und Wein an die Eltern aus. Das sakramentale Mahl, das von Israelis und Palästinensern gemeinsam gefeiert wurde, stand nicht nur dafür, das Leben und den Weg Jesu anzunehmen, sondern auch für die voraussetzungslose Tischgemeinschaft, zu der jeder von Jesus eingeladen ist.

Versöhnung ist der fruchtbare Boden, der Vergebung möglich macht, und Toleranz wird genährt von dem Wissen um das Leiden des Nächsten. Um die alten Vorurteile zu überwinden, müssen wir zu einer neuen Art von Vorurteil kommen: dem Vor-Urteil, Liebe zu haben für einen, dessen Gesicht wir jetzt erst sehen können, dessen Namen wir jetzt erst verstehen und dessen Geschichte wir jetzt erst hören.

 

 

Junge Erwachsene bauen Brücken

Von Nussi Khalil, Koordinatorin der Arbeit unter jungen Erwachsenen

Eine Gruppe junger Erwachsener, zehn Norweger, zehn Israelis und zehn Palästinenser, fuhren am Ende des Sommers nach Norwegen, um ihren Weg der Versöhnung zu beginnen. Die Brückenbauer begannen ihren Trip mit drei Tagen Camping auf Steilene, einer Insel im Oslofjord. Sie wurden einander vorgestellt und ihre Beziehung begann mit dem Zeltaufbau und später -abbau im Regen. Von Anfang an gab es Aktivitäten zur Teambildung, kulturübergreifende Kommunikation, Lehre über Versöhnung, Spiele, Diskussionen, Gebet und Gottesdienst.

Von hier aus fuhren wir weiter nach Valdres in den norwegischen Bergen, wo es weiterging mit intensiven Vorträgen über Angst, Vergebung und Macht. An den sog. Kulturabenden erfuhren wir etwas über das Erbe der anderen. Die Israelis zeigten uns, wie es war, in das Land einzuwandern; die Palästinenser parodierten eine Hochzeit, und die Norweger zogen ihre Tracht an, spielten traditionelle Musik und Spiele. In diesen Tagen in Valdres gab es auch besondere Theatereinheiten, „Theater der Unterdrückten“ genannt.

Während der Rollenspiele diskutierten die Zuschauer, was passierte. Das war eines der Highlights für mich und für viele andere Teilnehmer, denn wir konnten hier quasi mitverfolgen, wie bestimmte Gegebenheiten bei unseren Freunden überhaupt entstanden und über die Folgen unseres Handelns im wirklichen Leben sorgfältiger nachdenken. Wir konnten in die Schuhe der Unterdrücker steigen und in die der Unterdrückten und verstehen, was mit diesen Rollen verbunden ist und welches Gefühl damit einhergeht. Von dieser Aktion habe ich so viel gelernt: manche Situationen subjektiver anzusehen und zu sympathisieren mit Positionen, die ich vorher nie bedacht hatte.

 

Den Rest der Zeit verbrachten wir in Gastfamilien in Oslo und teilten mit ihnen unsere Erfahrungen. An dieser Reise teilnehmen zu können, war ein Segen: die Möglichkeit zu haben, viele Gefühle zu erkennen und mitzuteilen. Ich bin sehr dankbar, das Theater der Unterdrückten kennen gelernt zu haben. Es vertieft das gegenseitige Verstehen bei uns Brückenbauern, denn hier sind viele in der Lage, sich zu öffnen. Ich hoffe, noch mehr Projekte wie dieses organisieren zu können und ich wünsche mir ähnliche Ergebnisse.

 

Diese Fahrt wurde organisiert und unterstützt durch die Partnerschaft zwischen Musalaha, der Palästinensischen Bibelgesellschaft, dem Caspari-Center, dem Norwegischen Kirchlichen Israeldienst und der Evangelisch-Lutherischen Freikirche Norwegens.

 

 

Familie Munayer verändert sich

Musalaha wurde vor 20 Jahren gegründet, als Jack geboren wurde.

Über die Jahre wuchs die Familie, und Daniel, John und Sam vervollständigten die Familie Munayer.

Jack könnte in Großbritannien studieren, hat sich aber zuerst für ein Arabisch-Studium in Jordanien entschlossen. Daniel geht noch ein Jahr zur Schule. John und Sam sind beide Top-Schwimmer des Landes in ihrer Altersklasse. Salim unterrichtet immer noch am Bethlehem Bible College und leitet Musalaha. Kay ist beschäftigt wie immer mit den Söhnen und Wohltätigkeitsarbeit.

 

 

 

 

Schweiz:

Musalaha, c/o amzi, Postfach
CH-4153 Reinach 1
Tel. 061 712 11 38, Fax  061 712 11 34
E-Mail info@amzi.org

UBS: Kto-Nr. 0292-IQ136862.0

Postcheque: Kto-Nr. 40-33695-4 (mit Vermerk «Musalaha»)

 

Deutschland:

Musalaha
c/o amzi, Hauingerstraße 6,
D-79541 Lörrach
Tel. 0041 61 712 11 38
Fax  0041 61 712 11 34
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Salim Munayer

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Tel. 00972 2 672 0376
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