AMZI

 

Versöhnungsarbeit

 

 

Versöhnung

Jesus Christus machte durch seinen Tod die Versöhnung der Menschen mit Gott möglich, aber auch die Versöhnung der Menschen untereinander. Gott nahm in Jesus Christus weg, was Rassen und Kulturen voneinander trennt, vgl. Eph. 2. Der Tod Jesu hat heute noch die gleiche Bedeutung wie vor bald 2000 Jahren, auch in dem Land, in dem Jesus Christus geboren, gestorben und auferstanden ist.

Um diese Botschaft bekannt zumachen, schlossen sich auf Initiative von Salim Munayer arabische und jüdische Gemeindeleiter in dem Verein "Musalaha" zusammen. Das arabische Wort "Musalaha" bedeutet Vergebung und Versöhnung. Musalaha will als Verein die Versöhnung zwischen Arabern und Juden in Israel fördern. Denn auf Grund der biblischen Aussagen ist der Sühnetod Jesu am Kreuz und seine Auferstehung die einzige Grundlage für ein friedliches Zusammenleben von Arabern und Juden.

Der Verein sieht seinen Auftrag darin, den Dienst der Versöhnung in Israel zu vertreten und konkret werden zu lassen.

Die Mithilfe arabisch-christlicher und jüdisch-messianischer Leiter erleichtert die praktische Durchführung, denn sie bringen ihre Erfahrungen in den Dienst von "Musalaha" ein und stellen sich zur Mitarbeit zur Verfügung.

 

 

Aktivitäten

 

Seminare:
Biblische Lehre über Versöhnung anhand von Beispielen, wie z.B. Jakob und Esau, Paulus und Barnabas; Versöhnung im Verlauf der Kirchengeschichte. Hauptziel der Seminare ist, das Gebot unseres Herrn in den Gemeinden zu lehren: "Liebet eure Feinde!"
Leiter arabisch-christlicher und jüdisch-messianischer Gemeinden werden ausgebildet, die Seminare in den verschiedenen arabischen und messianischen Gemeinden im ganzen Land durchzuführen.

 

Publikationen:
Alles gedruckte Material wird zweisprachig herausgegeben: (arabisch und hebräisch). Dies gilt auch für alle Lehrunterlagen und Berichte über erlebte Versöhnung.

 

Unterricht über Kulturunterschiede:
Musalaha ist bemüht, Verständnis zwischen den beiden in Israel vorherrschenden Bevölkerungsgruppen zu wecken. Es werden Veranstaltungen anberaumt, um arabischen Palästinensern und israelischen Juden das Kennenlernen der jeweils anderen Kultur und der Traditionen zu ermöglichen und Erfahrungen auszutauschen.

Beide Gesichtspunkte, Gemeinsamkeiten und Schranken, sind in den Beziehungen zwischen Arabern und Juden vorhanden. Musalaha will die biblische Haltung vermitteln, die sowohl von arabischen wie auch von jüdischen Gläubigen erfordert wird, wenn es um die Bereinigung von feindseligem Verhalten geht.

Gegenseitiges Verständnis und Gemeinschaft untereinander sind nur in Jesus Christus möglich. Christus allein ist der Versöhner zwischen Mensch und Gott und zwischen den Menschen untereinander.

 

 

Informationen

 

Viermal jährlich erscheint ein Rundbrief in deutscher Sprache. Bestellen Sie ihn bei der amzi!

Auch eine Powerpoint-Präsentation über die Arbeit von Musalaha ist bei der amzi erhältlich.

 

 

Unterstützung

 

Konto Schweiz:
Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel
"Musalaha", Postfinance, 40-33695-4

 

Konto Deutschland:
Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel
"Musalaha", Sparkasse Lörrach-Rheinfelden
Kto. 1-716.737 (BLZ 683 500 48)

 

 

Zur Homepage von Musalaha in Englisch.

 

 

Musalaha Rundbrief

Herbst 2007

 

Camps mit Langzeitwirkung

Von Dr. Salim J. Munayer, Direktor

Die Sommermonate sind bei Musalaha immer eine arbeitsreiche Zeit. Wir bereiten die beiden größten Zusammenkünfte des Jahres vor: ein Sommercamp für israelische und palästinensische Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren und ein Camp für palästinensische Kinder aus christlichen und muslimischen Familien im Alter von 7 bis 12 Jahren. Das erste Camp ist seit fünf Jahren gut besucht, das zweite fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Auf dieses Camp sind wir besonders stolz, denn es ist nicht auf die Initiative von Musalaha zurückzuführen, sondern auf eine Gruppe palästinensischer Frauen, die an unseren Veranstaltungen teilgenommen hatten.

Alle Sommercamps bieten, wenn sie gut geleitet werden, die Chance, Kinder in einer Art zu prägen, wie es die Schule nicht kann. Den didaktischen Bemühungen der Schule widersetzen Kinder sich gerne, aber sie freuen sich das ganze Jahr schon auf das Sommercamp. Das Camp ist also eine einmalige Gelegenheit, ein bisschen Schulung und Charakterentwicklung auf eine Weise „einzuschmuggeln“, die den Kindern wirklich Spaß macht.

Gerade weil die Sommercamps so viel Einfluss auf die Kinder haben können, investiert Musalaha viel Kraft in die Organisation und Durchführung. Im Alter zwischen 9 und 12 sind die Kinder sozial aufgeschlossener als sie es je wieder sein werden. Sie stecken noch nicht in der für Teenager so typischen mühsamen Suche nach Identität und Zugehörigkeit. Sie haben sich noch nicht in Cliquen und andere Anpassung fordernde Gruppen zurückgezogen. Diese „Preteens“ spielen mit jedem, der nett zu ihnen ist. Deshalb ist es so wichtig, dass wir ihnen die Möglichkeit geben, mit Kindern der „anderen Seite“ zu spielen. Im Nahen Osten, wo die Schulen (und alle anderen Sommercamps) streng nach den religiösen und ethnischen Unterschieden trennen, sind unsere Sommercamps einzigartig und eine extrem wichtige Begegnungsstätte.

Woher wissen wir, dass unsere Camps tatsächlich so tiefgreifende Auswirkungen haben? Da gibt es zum einen die „Dabeigebliebenen“ als Beweis: Wir haben inzwischen Mitarbeiter, die vor fünf Jahren selber das Musalahacamp besucht haben. Zum anderen erkennen wir den „Licht-der-Welt-Effekt“: Ein Kind, das regelmäßig an unseren Camps teilnahm, hörte bei einem anderen Camp ein Kind eine rassistische Bemerkung machen. Anstatt still dabeizusitzen, wendete dieses Kind ein: „Das stimmt nicht!“ – Wenn wir sehen, wie Zehnjährige mutig Stellung beziehen gegen Rassismus, dann beginnen wir zu glauben, dass unsere Sommercamps tatsächlich Auswirkungen haben.

In diesem Rundbrief werfen wir einen Blick auf die Veranstaltungen, die seit unserem letzten Rundbrief im Juni stattgefunden haben.

 

 

Bibelverse in drei Sprachen

Im Juli fand Musalahas fünftes Sommercamp für israelische und palästinensische Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren statt. Die Zahl der Anmeldungen ist jedes Jahr gestiegen, dieses Jahr hatten wir 50 Kinder. Einige von ihnen waren schon einmal auf einem Sommercamp gewesen, andere waren zum ersten Mal gekommen. Allein die Tatsache, dass die Kinder wiederkommen, zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Ein Lieblingsspiel in diesem Sommer war das Auswendiglernen von Bibelversen. Jeden Morgen bekamen die Kids drei Verse, jeweils in Arabisch, Hebräisch und Englisch. Bei dieser Übung mussten die israelischen Kinder die palästinensischen fragen, wie Arabisch gelesen wird, und die palästinensischen Kinder mussten die israelischen um Hilfe bitten beim Hebräisch. In je mehr Sprachen die Kids die Verse auswendig gelernt hatten, desto mehr Sterne bekam ihr Team an die Wand gehängt. Mit Feuereifer lernten die Kids so viele Verse wie nur möglich, und am Ende war die ganze Wand voller Sterne.

Jeden Tag gab es dazu eine kleine Einheit über das Was, Wie, Wann, Wer und Wo des Betens. Dabei lernten die Kinder Möglichkeiten des Gebets kennen, die sie selbständig weiterführen können. Um ihnen einen Einstieg ins Beten zu geben, stellten wir eine Gebetsbox auf, in die sie ihre Gebetsanliegen einwerfen konnten. Jeden Morgen brachten wir dann gemeinsam diese Dinge vor den Herrn. Für uns Erwachsene war es spannend, die Box jeden Morgen wieder voll vorzufinden!

Bei der letzten Einheit sagte einer der Mitarbeiter zu den Kindern: „Heute ist unser letzter Tag zusammen, und ich möchte euch ermutigen, füreinander zu beten. Wir kommen aus ganz verschiedenen Gegenden und wären normalerweise keine Freunde. Wenn wir beten ‚Unser Vater im Himmel’, dann bedeutet das, dass wir denselben Vater haben, und das macht uns zu Geschwistern. Was könntet ihr Wichtigeres für eure Geschwister tun, als für sie zu beten? Ihr könnt Gott danken, dass es sie gibt. Ihr könnt darum beten, dass sie Hoffnung haben, wenn es für sie schwierig ist. Ihr könnt darum beten, dass sie sich immer auf Gott verlassen. Ihr könnt Gott danken, dass er ihnen vergibt, so wie er auch euch vergibt. Ihr könnt für Gottes Güte in ihrem Leben beten. Ich schlage vor, dass ihr die Namen eurer Zimmergenossen auf ein Papier schreibt, das ihr in eure Bibel legt. Dann könnt ihr auch nach dem Camp noch für sie beten.“

Ich bin dankbar für jeden Einzelnen, der in diesem Jahr zum Camp kam, besonders für die Mitarbeiter. Es steckt viel Arbeit in einem gelungenen Camp, und ich bin sicher, dass es ein gelungenes Camp war – am letzten Tag waren wir alle erschöpft!

 

 

Der feine Unterschied

Von Shadia Qubti, Projektkoordinatorin

Normalerweise geht es in einem Sommercamp darum, Spaß zu haben und Gemeinschaft zu erleben. Aber bei Musalaha haben wir noch ein anderes Ziel: So viele Kinder wie möglich mit dem Versöhnungsprozess in Berührung zu bringen. In diesem Jahr gab es einen Zwischenfall, der uns vor Augen führte, warum das so wichtig ist.

Wenn ein Konflikt länger andauert, befürchtet die Minderheit (oder die schwächere Seite) oft Diskriminierung. Das ist nicht bloß übertriebene Furcht. Denn wenn so etwas noch nie vorgekommen wäre, würden wir es nicht erwarten. Aber wenn man Diskriminierung fürchtet, sieht man sie manchmal auch da, wo sie gar nicht ist.

Die Zeit im Camp verfliegt schnell und man verliert sich leicht in der Fülle der Aktivitäten. Aber mein Job war es, die Augen offen zu halten für Anzeichen von Konflikten unter den Teilnehmern und Mitarbeitern. Eines Tages sah ich etwas zwischen den Verantwortlichen für zwei bestimmte Zimmer vor sich gehen. Ich ging hin, um nachzusehen, was los war. Die Mitarbeiter erzählten mir, dass Reem, eine palästinensische Teilnehmerin, ihren Freundinnen erzählt hatte, sie finde Dan, einen israelischen Teilnehmer süß. Diese Information gelangte bis zu Dan, dessen Kumpel ihn aufzogen, bis er einwilligte, etwas zu unternehmen. Er gab also dem Gruppendruck nach und kam zusammen mit seinen Freunden zu Samar, der für Reem verantwortlichen Mitarbeiterin. „Ist Reem hübsch?“ fragte er. „Hab nämlich gehört, sie sei hässlich.“ Dans Freunde hatten einen Riesenspaß, aber Samar, die palästinensische Mitarbeiterin, fand das gar nicht witzig. Tief verletzt fragte sie zurück: „Sagst du, Reem sei hässlich, weil sie Araberin ist?“

Nun begann sich die Konfliktspirale zu drehen. Dan wurde nicht nur von einer, sondern gleich von zwei palästinensischen Mitarbeiterinnen Rassismus vorgeworfen. In diesem Moment kam ich dazu, beruhigte die Mitarbeiterinnen und erklärte ihnen, dass genau dies der Grund ist, warum wir hier sind. Es ist nicht unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass so etwas nicht vorkommt. Im Gegenteil, wir müssen damit rechnen, dass es passiert. Aber alles hängt davon ab, wie wir dann mit solchen Zwischenfällen umgehen. Die Kinder spiegeln, was die Gesellschaft sie lehrt. Wir dürfen ihnen keinen Vorwurf machen, sondern müssen zeigen, dass Gottes Liebe eine andere Reaktion möglich macht.

Ich erklärte den Mitarbeiterinnen, wie sie mit rassistischen Ausbrüchen bei den Kindern umgehen sollten. Gleichzeitig ergab die ganze Sache für mich irgendwie keinen Sinn. Dans Freunde – die ihm ja gesagt hatten, Reem sei hässlich – waren Palästinenser. Dan hatte sich in der Tat im Camp nur mit palästinensischen Jungen angefreundet. Außerdem war er auch nicht bereit, sich zu entschuldigen. Deshalb rief ich Dan zu einem Einzelgespräch zu mir.

Sobald er mit mir alleine war, brach er in Tränen aus. Ich sagte ihm, er brauche keine Angst zu haben. „Ich möchte nur herausfinden, was wirklich passiert ist“, versicherte ich ihm. Beim Anhören seiner Sicht der Geschichte stellte sich heraus, dass er zu Unrecht beschuldigt wurde. Er hatte natürlich nicht gedacht, alle Araberinnen seien hässlich. Ich erklärte ihm, dass es trotzdem nicht richtig war, Reem hässlich zu nennen, denn das hatte sie verletzt. Jetzt war Dan bereit, sich bei Reem zu entschuldigen. Die Mitarbeiterinnen entschuldigten sich bei ihm dafür, dass sie voreilige Schlüsse gezogen hatten. Eine Stunde später konnten alle wieder miteinander arbeiten und spielen.

Als ich nach dem Camp mit zwei Mitarbeiterinnen aus meiner Nachbarschaft nach Hause ging, sahen wir drei israelische Mädchen, ungefähr 14 bis 15 Jahre alt, vor uns an einem jungen arabischen Mann vorbeigehen. Sie guckten ihn aus den Augenwinkeln an und kicherten. Als er sich umdrehte, um zu sehen, worüber sie lachten, rannten sie weg. Der junge Mann drehte sich wieder um, seufzte tief und setzte seinen Weg fort. Weiter oben an der Straße, in sicherer Entfernung, drehten sich die Mädchen noch einmal um und schrien einstimmig: „Dreckiger Araber!“

Dies war ein Fall von Rassismus – der Vorfall im Camp war es nicht. Wenn es im Camp überhaupt so etwas wie Rassismus gegeben hatte, dann gegen den israelischen Jungen. Manchmal denken wir beide, Palästinenser und Israelis, viel zu schnell an Diskriminierung und reagieren zu heftig. Die Bibel mahnt uns dazu, Menschen nicht ohne Grund zu beschuldigen. So müssen wir lernen, unsere Empfindlichkeiten zu überwinden, und in der Lage sein, zwischen wirklichen und eingebildeten Fehlern zu unterscheiden.

Dennoch: Wie sollen wir reagieren, wenn wir wirklich diskriminiert werden? Auch dann sollten wir nicht zu Angriff und Beschuldigung übergehen. Aber wir sollen auch nicht schweigend leiden und so der Ungerechtigkeit Raum geben. „Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre“ (2. Timotheus 4,2).

 

 

Stimmen der Veränderung

Die folgenden Zeugnisse stammen von den Nachtreffen der Frauenkonferenz über die Frage der Identität (25.–26. April und 22.–23. Juni in Talitha Kumi).

 

„Mein Vater hat mich rausgeworfen, als er hörte, dass ich mit Musalaha zu tun habe. Ich habe ihn seit Monaten nicht gesehen. Aber er hat mich nicht deshalb ausgestoßen, weil ich Kontakt zu israelischen Frauen habe. Er hat selbst gute Beziehungen zu Israelis; er glaubt auch an Versöhnung. Was er nicht akzeptieren kann, ist, dass ich Kontakt zu palästinensischen Frauen aus anderen Kirchen habe. Wir bezeichnen uns alle als Christen, aber seiner Ansicht nach sind sie keine. Deshalb sieht er mich als Verräterin am wahren Glauben.“

 

„Ich bin mit der hebräischen Sprache aufgewachsen, in israelische Schulen gegangen, habe mit jüdischen Mädchen meine Freizeit verbracht und einfach ein ganz ‚normales‘ israelisches Leben geführt. Aber ich vergesse nie, wie die Lehrerin an meinem ersten Schultag, als sie nach meinem Namen fragte und hörte, dass ich Abeer (ein sehr verbreiteter arabischer Name) heiße, sagte: ‚Nun, wir nennen dich einfach Sarah.‘ Im Laufe der Jahre wurde ich Sarah, weil alle in der Schule mich so nannten. Ich habe diese israelische Identität komplett übernommen. Als ich meine Abschlussprüfung an der High School schreiben musste, habe ich natürlich Sarah darüber geschrieben. Das Kultusministerium wollte mein Examen nicht anerkennen und verlangte, ich solle es noch einmal machen, denn mein Name sei nicht Sarah. Äußerlich gesehen hatten sie Recht, aber ich war total geschockt. Ich hatte das Gefühl, ich darf nicht länger die sein, die ich bin, und das hat mich in eine tiefe Identitätskrise gestürzt. Natürlich war Sarah nicht das, was ich wirklich war – jetzt sehe ich das. Ich hatte diesen Namen übernommen, um in die israelische Gesellschaft hineinzupassen.“

 

„Als ich mit meinem jüdischen Ehemann aus Amerika nach Israel immigrierte, kam ich als Christin. Aber vor ein paar Jahren habe ich herausgefunden, dass ich jüdische Vorfahren habe und nach dem israelischen Gesetz selbst Jüdin bin. Ich habe mich darüber sehr gefreut und habe gedacht, dass die Israelis mich nun als eine der Ihren akzeptieren würden. Aber egal, wie sehr ich meine neu gefundene jüdische Identität nach außen demonstrierte, für sie blieb ich eine Christin und Ausländerin. Vielleicht hatten sie Recht, vielleicht hatte ich versucht, jemand zu werden, der ich nicht bin. Diese Ablehnung machte es mir schwer, mein Erbe wertzuschätzen. Aber allmählich habe ich begriffen, dass Gott mich einlädt, meine jüdischen Wurzeln anzunehmen und trotzdem damit zufrieden zu sein, wer ich bin – egal wie andere mir begegnen oder womit sie mich identifizieren. Das kann ich nur durch Gottes Liebe.“

 

„In der Vorstellungsrunde einer Konferenz stand ich auf, sagte meinen Namen und dass ich eine äthiopische Gläubige sei. Danach kam ein Freund zu mir und sagte, ich solle mich nicht so bezeichnen: ‚Du bist Israeli, wie ich. Wir sind gleich.‘ Aber ich meinte: ‚Nein, ich bin Äthiopierin.‘ Er antwortete: ‚Aber wir sollten nicht über unsere Unterschiede reden.‘ ‚Aber ich bin schwarz, und du bist weiß‘, erklärte ich. ‚Ja, aber wir sollten uns auf die Gemeinsamkeiten konzentrieren. Wir sind beide Israelis.‘ Aber ich weiß sehr gut, wer ich bin, und ich sagte nur noch: ‚Ich bin und bleibe eine äthiopische Israelin‘ – und dabei haben wir es belassen.“

 

 

Sommercamp in Abud

Von Shireen Awwad-Hilal, Projektkoordinatorin

Im letzten Jahr veranstaltete Musalaha das erste palästinensische Sommercamp in Zababdeh, einem Dorf in der Westbank. Zababdeh ist ein Dorf mit ca. 2000 Einwohnern, von denen die Hälfte Christen sind. Es liegt in einem Gebiet, das fast rein muslimisch ist. Um die 130 Kinder aus dem Dorf nahmen am Sommercamp teil. Das Camp war insgesamt ein großer Erfolg, und die Dorfbewohner waren froh, es in ihrem Dorf gehabt zu haben.

In diesem Jahr fand unser zweites Sommercamp in der Westbank in einem Dorf namens Abud statt. Dort sind 60 Prozent der 1200 Einwohner Christen. Jetzt, im zweiten Jahr, kamen nicht nur Kinder aus christlichen Familien – ca. 20 von den teilnehmenden 100 Kindern waren Muslime!

Die Planung war in diesem Jahr wesentlich einfacher, weil wir noch die Pläne vom letzten Jahr gebrauchen konnten. Trotzdem investierten wir viel Mühe, um Frauen und Mitarbeiter aus dem Dorf selbst zu gewinnen. In unserer Kultur ist das keine einfache Sache: Der Gedanke, dass eine Frau für eine Woche ihre Familie zurücklässt, ist einfach unvorstellbar. Dennoch hatten wir elf Frauen und sieben junge Erwachsene dabei. Einige von ihnen waren auch in Zebabdeh schon dabei gewesen.

Ein Sommercamp in der Westbank gibt es nur bei Musalaha, obwohl die Idee dazu nicht von uns stammt, sondern von früheren Musalaha-Teilnehmerinnen. Palästinensische Frauen in unseren Gruppen sahen Handlungsbedarf, da israelische Kinder mehr Freizeitmöglichkeiten haben, besonders in den Sommerferien. So packten sie es an, für die nächste Generation etwas zu tun, da Versöhnung schwierig ist, wenn eine Seite sichtbar benachteiligt ist.

Dabei wollten sie in ihrem Camp weitergeben, was sie bei Musalaha gelernt hatten. So wurde dieses Camp einzigartig: Es ist das einzige Camp in den palästinensischen Autonomiegebieten, das Christen verschiedener Kirchen zusammenbringt – ganz zu schweigen von Christen und Muslimen. Der Blick richtet sich im Nahen Osten oft auf den israelisch-palästinensischen Konflikt, aber das ist nicht der einzige Konflikt in unserer Region. Die palästinensische Gesellschaft ist, wie die israelische, nach religiösen und ethnischen Gesichtspunkten gespalten und die Gemeinschaften leben oft mit belasteten Beziehungen. Daher ist das Ziel, das das Sommercamp hatte, für den Frieden im Nahen Osten genauso wichtig, wie die israelisch-palästinensische Versöhnung.

 

 

Neues von Munayers

Seit den letzten Familiennachrichten im März hat Jack (17) die erste Hälfte seiner High School Abschlussprüfung fertig – und er hat gut abgeschnitten, Gott sei Dank!

Daniel (15) ist in Island gewesen, wo er Jerusalem bei den internationalen Schwimmmeisterschaften sehr gut vertreten hat. Bei den Landesmeisterschaften im August hat er seine Zeit nochmals verbessert.

John (13) hat an einer Reihe von Auswahlspielen für das Jerusalem Beitar Fußballteam teilgenommen und zu unserem großen Entsetzen einen Platz in der Mannschaft erlangt. Es ist manchmal schwer zu verstehen, aber die Jungen träumen jahrelang davon und trainieren dafür, da ist John keine Ausnahme. Jetzt hat er fünfmal in der Woche Fußballtraining!

Jack und John waren beide im Sommer als Mitarbeiter bei den Sommercamps dabei, und Sam (9) hat an zwei Camps teilgenommen.

Sam ist aufgestiegen in eine Schwimmgruppe, die besser zu seinen Fähigkeiten passt – zu seinem Alter allerdings nicht.

Mit all diesem Sporttraining und Meisterschaften und Auswahlspielen bin ich, Kay, natürlich dauernd unterwegs, die Jungs in der Stadt und darüber hinaus herumzufahren. Und wenn wir nicht gerade zur Schule oder zum Sport müssen, sind wir auf dem Weg zur Jugendgruppe, zur Mathe-Nachhilfe, zur Klavierstunde, zu gesellschaftlichen Ereignissen, schulischen Sonderveranstaltungen oder Familientreffen!

Salim hat im Juli an der Wycliffe Hall summer school in Oxford unterrichtet, und wir sind gerade alle zurück von einer Reise nach England. Während der ersten zehn Tage waren Jack und Daniel in Holland und haben am Musalaha-Jugendtreffen für israelische, palästinensische und niederländische Jugendliche teilgenommen. Wir anderen waren in Bolton, bis sie zurückkamen. Jetzt sind wir alle wieder zuhause und bereiten uns auf das neue Schuljahr vor.

 

 

 

 

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Salim Munayer

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