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Der „grüne Prinz“
Von Catherine Meerwein
Ein Hamas-Anhänger arbeitete für den israelischen Geheimdienst und lernte Jesus kennen. Am 24. Februar 2010 veröffentlichte die israelische Zeitung „Ha’aretz“ ein Interview mit Musab Yousef, dem Sohn von Scheich Hassan Yousef, einem der Gründer und wichtigsten Anführer der Hamas. 1996 wurde Musab als 18-Jähriger wegen Besitzes illegaler Waffen verhaftet und in ein israelisches Gefängnis geworfen. Nach den Schlägen und Verhören in Haft schwor er sich, jeden Israeli umzubringen, den er in die Finger bekam, sobald sich die Gelegenheit dazu bot. Israelische Sicherheitskräfte versuchten, ihn dazu zu überreden, für sie zu arbeiten. Er stimmte zu mit dem Hintergedanken, als Doppelagent zu arbeiten und Israel von innen her anzugreifen. Doch dann wurde er noch während seiner Zeit im Gefängnis Zeuge, wie grausam inhaftierte Hamasführer muslimische Mitgefangene misshandelten. Enttäuscht vom Islam kam er zum Schluss, dass die Hamasführer sogar noch schlimmer waren als die Israelis. 1997 wurde er aus der Haft entlassen. Er traf sich weiterhin mit israelischen Sicherheitsbeamten und war überrascht, wie vernünftig und menschlich sie waren. Er merkte, dass sie nichts gegen Muslime und Palästinenser im Allgemeinen hatten, sondern nur versuchten, terroristische Anschläge zu verhindern. Er begann, die Dinge mit ihren Augen zu sehen. 1999 lernte er in der Nähe des Damaskus-Tors in der Jerusalemer Altstadt einen Touristen aus Großbritannien kennen. Er war Christ und lud Musab zu einer Bibelstunde ein. Aus Langeweile und Neugier entschied er sich hinzugehen. Er fand die jungen Leute dort sympathisch und die Diskussion interessant. Am Ende nahm er ein Neues Testament auf Arabisch mit nach Hause und begann zu lesen. Er kam genau bis Matthäus 5,44: „Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, welche euch beleidigen und verfolgen.” Musab war verblüfft darüber, was die Bibel über die Liebe Jesu lehrt. Es war so völlig anders als alles, was er bis dahin gehört hatte. Und doch brachte es in seinem Herzen eine Saite zum Klingen und schien die Antwort auf seine Fragen zu sein. Der Gedanke der Feindesliebe brachte einen Hoffnungsschimmer in den Nahostkonflikt. In den Jahren darauf entschloss sich Musab, diesem Jesus voll und ganz nachzufolgen. Zur selben Zeit begann er als Geheimagent Israels in einer Schlüsselposition in der Westbank zu arbeiten. Sein Deckname war „Grüner Prinz”: Grün als Farbe der Hamas und Prinz, da er der Sohn eines ihrer wichtigsten Anführer war. Von 2000 bis 2006 war Musab an vielen entscheidenden Ereignissen beteiligt, wie der Infiltrierung des Al-Aksa-Terrorrings, der Aufdeckung der Beziehung zwischen Hamas und PLO, dem Abfangen geheimer Informationen des Hamas-Hauptquartiers in Damaskus und der Vereitelung zahlreicher Selbstmordattentate. Laut Aussagen israelischer Sicherheitsbeamter verdanken unzählige Israelis diesem Mann ihr Leben. Musab sei anders als die Mehrheit der palästinensischen Agenten gewesen. Nicht Geld oder eine persönliche Notlage hätten ihn angetrieben, sondern der Wunsch, Leben zu retten. 2007 floh Musab in die Vereinigten Staaten, wo er heute seinen Wohnsitz hat.
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