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Die Heilung des Blindgeborenen – das dritte jüdische Messiaswunder

Von Hanspeter Obrist  

Jesus wurde von den jüdischen Gelehrten mit der Begründung abgelehnt, seine Wunder seien nicht göttlichen Ursprungs. Jesus antwortete mit dem dritten jüdischen Messiaswunder.

Nach dem Laubhüttenfest, am Tag, an dem heute die Freude an der Thora (fünf Bücher Mose) gefeiert wird, forderten die jüdischen Schriftgelehrten Jesus mit einer Ehebrecherin heraus (Joh. 8,1-11). Jesus ließ sich jedoch nicht zu einem vorschnellen Urteil hinreißen und sagte anschließend von sich, das „Licht der Welt“ zu sein (Joh. 8,12). Damit proklamierte er sich als der in Jesaja 49,6 verheißene Messias und Retter der Welt. Das führte zu einer Grundsatzdiskussion, in der Jesus den Spieß umdrehte. Er nahm die gegen ihn gerichtete Anschuldigung auf, mit teuflischer Autorität zu handeln. Jesus stellte die Frage, ob nicht die Argumentation der ihn anklagenden jüdischen Gelehrten eine Lüge sei und damit ihren Ursprung beim Teufel habe (Joh. 8,44). Jesus dementierte auch, einen Dämon zu haben (Joh. 8,49). Im Gegenzug wurde dies aber erneut behauptet (Joh. 8,52). Als Antwort auf diese Diskussion vollbrachte Jesus wiederum ein jüdisches Messiaswunder, um aufzuzeigen, in wessen Namen und Autorität er handelte: Er heilte einen Menschen, der von Geburt an blind war (Joh. 9).

 

Bedeutung der Blindheit

Die Rabbiner lehrten damals, dass, wenn jemand blind geboren wurde, der Grund in einer Sünde der Eltern oder des Kindes liege. Doch wie kann jemand sündigen, bevor er geboren wird? Nach rabbinischer Auffassung geschieht das so, dass ein Kind im Bauch der Mutter eine Abneigung gegen die eigene Mutter entwickelt und die Mutter in den Bauch tritt. Als Folge davon straft Gott dieses Kind, und es wird blind geboren. Im Judentum gilt Leid oft als Folge der Nichtbeachtung eines Gebotes, obwohl in der Bibel bei Hiob auch das Gegenteil beschrieben wird (Hiob 1,8-12). Daher die Frage der Jünger, wer in diesem Falle gesündigt habe (Joh. 9,2).

 

Auf verbotene Weise geheilt

Nach damaliger Auffassung konnte nur der Messias einen Blindgeborenen sehend machen. Des Weiteren lesen wir in Jesaja 42,7, dass der Messias den Blinden die Augen öffnen wird. Nach rabbinischer Auslegung war es verboten, an einem Schabbat einen Blinden zu heilen, sowie dazu Wein oder Spucke zu verwenden. Doch genau das tat Jesus: Am Schabbat machte er mit Spucke einen Brei, den er auf die Augen des Blinden strich. Danach schickte er ihn zum Teich Siloah. Nun musste der Blinde am Schabbat mit dem Teig auf den Augen vom Tempeleingang die ganze Stadt -hinuntergehen, um seine Augen am Teich Siloah auszuwaschen. So bekam die ganze Stadt mit, was hier geschah. Als der Mann geheilt wurde, brachte man ihn sofort zur obersten geistlichen Instanz, da das Wunder auf so offensichtlich verbotene Weise geschehen war. Mit der Frage, ob er blind geboren worden sei oder nicht, wollte man herausfinden, ob es sich um ein messianisches Wunder handelte. Da dies der Fall war, wurde die Sache brisant.

 

Ablehnung der Nachfolger Jesu

Die Schriftgelehrten hatten bereits erklärt, dass jeder, der Jesus als Messias anerkannte, aus der jüdischen Gesellschaft ausgeschlossen werden würde (Joh. 9,22). So befragten sie den Geheilten, wie er zu Jesus stand. In Vers 32 bestätigte der Geheilte, dass bis jetzt in Israel noch niemand einen Blindgeborenen geheilt hatte. Deshalb war für ihn klar, dass es sich hier um ein göttliches und messianisches Wunder handelte. Die Schriftgelehrten hatten nach der Austreibung des stummen Dämons Jesus als Messias abgelehnt. Als Antwort auf die Heilung des Blindgeborenen lehnten sie nun auch seine Nachfolger ab. Jeder Jude, der seine göttliche Autorität und seinen Anspruch des Eins-Seins mit dem himmlischen Vater anerkannte, wurde aus der Synagoge ausgeschlossen. Diese Praxis gilt bis auf den heutigen Tag. Deshalb entstanden im ersten Jahrhundert die Bewegungen der Nazarener (wie heutige messianische Juden) sowie der Ebioniten, die jedoch den göttlichen Anspruch Jesu ablehnten, um dem Ausschluss aus der Synagoge zu entgehen. Auch heute gibt es wieder eine kleine Gruppierung dieser Art. Jesus jedoch stellt den Anspruch der Einheit mit dem himmlischen Vater. Seine Worte und Taten sind eine Herausforderung an die Menschen damals wie heute, ihn als den göttlichen Messias anzuerkennen und ihm ihr Leben anzuvertrauen.

 

 

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