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Das zweite jüdische Messiaswunder
Die Austreibung eines stummen Dämons gehört zu den Wundern, die nach jüdischer Auffassung zur Zeit Jesu nur der Messias vollbringen konnte.
Von Hanspeter Obrist
Mit der Heilung des Leprakranken (Mk. 1,40-44; Mt. 8,2-4; Lk. 5,12-14) und des Gelähmten in Kapernaum (Mk. 2,1-12; Mt. 9,2-8; Lk. 5,17-26) wurde die Messianität von Jesus öffentlich. Doch er verhielt sich nicht so, wie es die rabbinischen Gelehrten erwarteten. Sie dachten, der Messias würde ihre Gebote befolgen und sich von unreinen Menschen distanzieren. Jesus aber gab sich mit Zöllnern, Prostituierten und anderen gottlosen Menschen ab und bot ihnen die Rückkehr zu Gott an. Zusätzlich stellte Jesus sogar die Auslegung der Schriftgelehrten in Frage. In eigener Autorität interpretierte Jesus die Thora und die Propheten neu. Er berief sich dabei nicht auf vorhergehende Rabbiner, wie das im Judentum üblich war. Ein Beispiel hierfür war die Auslegung des Schabbats. Jesus brach nie den Schabbat, wie ihn Mose geboten hatte, sondern in der Weise wie die Pharisäer ihn einzuhalten lehrten. Die Auseinandersetzung spitzte sich erneut zu, als Jesus wieder ein eindeutig messianisches Wunder vollbrachte: die Austreibung eines stummen Dämons.
Welche Autorität steht dahinter?
Die Austreibung von Dämonen war damals an und für sich nichts Außergewöhnliches. Die jüdische Praxis war, dass man den Dämon ansprach, um seinen Namen zu erfahren und ihn dann auszutreiben. So machte es auch Jesus nach dem Markusevangelium Kapitel fünf. Wenn aber ein Dämon eine Person stumm machte, war man machtlos. So entstand damals die Lehre, dass nur der Messias in der Lage sei, diese Art von Dämonen auszutreiben. Als Jesus stumme Dämonen austrieb (Mt. 9,32-34; Mt. 12,22-37; Lk. 11,14-15), stand deshalb auch gleich die Frage im Raum, ob dieser der Sohn Davids sei (Mt. 12,23), was ein anderer Ausdruck für den Messias ist. Die Schriftgelehrten mussten nun reagieren. Schon seit der Heilung des Leprakranken, dem ersten jüdischen Messiaswunder, wurde der Fall Jesu untersucht. Entweder sie erkannten jetzt Jesus als den jüdischen Messias an, oder sie mussten eine andere Erklärung für das Wunder liefern. Daher ihre Behauptung, Jesus sei mit dem obersten Dämon Beelzebub im Bunde (Mt. 9,34; Mt. 12,24, Lk. 11,15). Sie wollten Jesus nicht als Messias anerkennen, weil er ihre Erwartungen nicht erfüllte. Auch die Schriften jüdischer Gelehrter verneinen die Wunder von Jesus nicht, doch im Unterschied zu den Evangelien werden dort die Wunder einer dämonischen Quelle zugeschrieben. Das ist bis heute die offizielle jüdische Erklärung der Wunder Jesu im Talmud, wo steht, dass Jesus Zauberei betrieb (Babylonischer Talmud, Traktat Sanhedrin 43a). Was für eine Unterstellung! Ihm, der ganz den Willen des himmlischen Vaters tat, unterstellte die religiöse Elite, ein Verbündeter des Teufels zu sein und das religiöse Leben zu stören.
Neue Strategie
Mit der öffentlichen Ablehnung und mehrfachen Interpretation, er sei ein Gesandter des Teufels, veränderte sich das Verhalten Jesu gegenüber den Schriftgelehrten. Er ging von einer bis dahin eher offenen zu einer stillen Strategie über. Die folgenden Wunder waren Wunder der Barmherzigkeit und dienten zur Zurüstung seiner Jünger. Jesus sprach nun vermehrt in Gleichnissen und forderte die Jünger mehrmals dazu auf, vorerst zu schweigen (Mt. 16,20; 17,9). Erst nach der Auferstehung Jesu und der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten trat nochmals eine Wende ein. Doch als das Wirken des Heiligen Geistes von vielen Juden ebenfalls abgelehnt wurde, breitete sich das Evangelium immer mehr unter Nichtjuden aus.
Die eine Frage bleibt: Wie entscheide ich mich selbst? Wer ist Jesus für mich? Ist er der jüdische Messias im göttlichen Auftrag oder ein falscher Prophet und Scharlatan? Wenn er der göttliche Messias ist, dann ist seine Auslegung der biblischen Schriften für uns maßgebend. So wie es schon im 5. Mose 18,18-19 angekündigt wurde, dass ein Gesandter Gottes kommen wird. Wer sich nicht an seinen Worten orientiert, wird vor Gott dafür Rechenschaft ablegen müssen. Jesus hat von sich behauptet, dass er nur das verkündet, was der himmlische Vater ihm gesagt hat (Joh. 8,28; 12,50). Er bezeichnet sich damit als der göttliche Messias. ྒ
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