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Der Messias in den Festen Israels
Von Hanspeter Obrist
Die jüdischen Feste dienen dazu, dass sich das jüdische Volk Jahr für Jahr an Gott und seine Güte erinnert. Sie weisen auf Gottes Erlösungsplan und den Messias Israels hin. Viele Christen erleben es als sehr bereichernd, die christlichen Feste in Verbindung mit den ursprünglichen jüdischen Traditionen zu feiern.
Die vier Frühlingsfeste sind eng miteinander verbunden. Das Passahfest, das Fest der ungesäuerten Brote, das Fest der Erstlingsfrüchte und das Wochenfest (Schawuot) finden ihre Erfüllung im ersten Kommen des Messias und des Heiligen Geistes. Die biblischen Herbstfeste Rosch HaSchana, Jom Kippur und Sukkot weisen hingegen auf die Wiederkunft Jesu hin.
Das Passahfest
Bei den Juden beginnen alle Tage mit dem Vorabend und enden mit dem Sonnenuntergang (5.Mose 23,5). So beginnt das Passahfest mit dem Sederabend. Es ist das erste Fest nach dem biblischen Kalender. Es erinnert an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten. Jesus feierte dies im Kreis seiner Jünger, bevor er als „Lamm Gottes“ am selben jüdischen Tag sein Leben als endgültiges Opfer hingab.
Die Heiligung
Nachdem aller Sauerteig aus dem Haus entfernt und das ganze Haus gereinigt wurde, eröffnet die Hausfrau den Sederabend mit dem Anzünden von zwei Kerzen, wie an jedem Schabbat. Anschließend werden symbolisch noch die letzten Brotkrümel aus dem Haus entfernt. Der Kelch der Heiligung wird gesegnet und getrunken. Der Hausvater wäscht sich die Hände. An dieser Stelle hat Jesus wahrscheinlich den Jüngern die Füße gewaschen (Joh. 13,12-14). Ein Gemüse, heute meist Petersilie, wird in Salzwasser getaucht, in Erinnerung der Tränen der Kinder Gottes in der Sklaverei. Doch Israel blieb nicht in der Sklaverei, denn Gott hat sein Volk befreit. So bricht man die Matze, das ungesäuerte Fladenbrot der Eile und des Auszuges. Ein Teil der mittleren von den drei Matzen wird speziell aufbewahrt und auf die Seite gelegt. Sie wird Afikoman genannt und bedeutet „das Brot des Kommenden“.
Das Gericht
Es folgt der Kelch des Gerichts. Dieser erinnert an die 10 Gerichte Gottes, die über die Ägypter kamen, weil sie sich gegen Gott sträubten. Israel wurde vom letzten Gericht verschont, indem sie das Blut eines Lammes an die Türpfosten strichen. Ist es nicht interessant, dass genau am Passahfest Jesus sein Blut für uns hingegeben hat, damit wir von der Sklaverei der Sünde und dem Gericht Gottes befreit werden?
Mit dem Genuss von Matzen und Salz erinnert man sich an den Bund Gottes und an den Aufbruch in Eile. Salat und Meerrettich lässt das ganze Elend von Ägypten nochmals vor Augen stehen. Es könnte sein, dass Jesus an dieser Stelle darauf hinwies, dass derjenige ihn verraten wird, der die Hand mit ihm in die Schüssel getaucht hat (Mt. 26,23). Das folgende Fruchtmus mit süßlichem Geschmack erinnert an den Lehm, aus dem die Ziegel hergestellt wurden. Heute wird noch ein Ei gegessen, welches an das Festopfer im Tempel erinnert. Danach wird eine ausgiebige Mahlzeit eingenommen. Jesus aß mit seinen Jüngern gemeinsam ein Passahlamm.
Die Erlösung
Die Sederfeier wird abgeschlossen, indem man den Afikoman, das „Brot des Kommenden“, isst und so den Geschmack der Matzen in den Abend nimmt. Jesus nahm nach der Mahlzeit dieses Stück Matze und sagte: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“ (Lk. 22,19). Anschließend nahm er den Kelch der Erlösung und sprach: „Das ist mein Blut, mit dem der neue Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt wird. Er wird zur Vergebung eurer Sünden vergossen“ (Mk. 26,27-28). Durch den Opfertod von Jesus ist das Passahfest erfüllt, weil er als das geopferte Passahlamm unsere Sünden trug (Jes. 53; Joh. 1,29).
Der Lobpreis
Jesus nahm den Kelch des Lobpreises nicht mehr. Diesen wird er erst wieder im Reich seines Vaters trinken (Mt. 26,29). Eine Sederfeier schließt mit Dankesliedern und Lobgesängen. Dazu gehören die Psalmen 113-118 und 136. Nach Jeremia 16,14-15 wird eines Tages der Auszug aus Ägypten hinter den Auszug aus allen Ländern treten. So grüßt man sich zum Schluss mit den Worten: „Nächstes Jahr im wiedererbauten Jerusalem“.
Weitere jüdische Feste auf einen Blick
Fest der ungesäuerten Brote
Nach dem Sederabend beginnt das Fest der ungesäuerten Brote (3. Mo. 23,6-8). Während sieben Tagen darf nichts gegessen werden, was Sauerteig enthält. Durch die Sündlosigkeit des Opfers Jesu wurde dieses Fest erfüllt (Heb. 9,11 - 10,18).
Fest der Erstlingsfrüchte
Während des Festes der ungesäuerten Brote werden am Tag nach dem Schabbat die ersten Früchte der Gersten- oder Getreideernte Gott dargebracht (3.Mose 23,10-14). Dieses Fest ist ein Typus der Auferstehung Jesu als „Erstling“ aus den Toten (1. Kor. 15,20-23), der genau an diesem Tag, dem Ostersonntag auferstand.
Schawuot – das Wochenfest
Schawuot soll 50 Tage nach dem Fest der Erstlingsfrüchte gefeiert werden (3. Mo. 23,15-22).
Nach rabbinischer Überlieferung empfing das jüdische Volk an Schawuot am Sinai das Gesetz. Gott schloss so mit seinem Volk einen Bund. An diesem Fest (Pfingsten) schrieb Gott durch den Heiligen Geist sein Gesetz in die Herzen der Glaubenden. So fand das Fest seine messianische Erfüllung.
Rosch HaSchana – das Fest der Posaunen
Das Fest der Posaunen (3.Mose 23,24) bildet den Auftakt zu den Herbstfesten. Das Schofar (Widderhorn) ertönt zu einem Weckruf: In einer zehntägigen Einkehrzeit soll jeder prüfen, wie er zu Gott und zu seinem Nächsten steht.
Jom Kippur – der Versöhnungstag
Die Zeit der Umkehr findet an Jom Kippur mit Gebet und Fasten ihren Höhepunkt (3.Mose 23,27-32).
Sukkot – das Laubhüttenfest
Die Juden bauen bis heute Laubhütten zur Erinnerung an Gottes Versorgung während der Wüstenwanderung (3. Mose 23,34-36). Das Fest findet seine messianische Erfüllung, wenn Israel unter der Herrschaft des Messias Jesus lebt (Sach. 14,9-11) und die Nationen jährlich nach Jerusalem kommen, um den Herrn anzubeten (Sach. 14,16).
Chanukka – das Lichterfest
Das achttägige Lichterfest ist im Dezember. Messianische Juden erinnern sich, dass der Messias das wahre Licht der Welt ist (Joh. 8,12)
Purim – Ende des Antisemitismus
Das Losfest gründet sich auf das biblische Esterbuch, als die geplante Vernichtung des jüdischen Volkes abgewendet wurde.
Die jüdischen Feste weisen auf den Messias. Nach der messianischen Tradition, kann man in ihnen das ganze Evangelium erleben. Sie zeigen uns auf wovon und wozu wir erlöst sind. Unterlagen für das Feiern der Feste können bei uns bestellt werden.
Literaturhinweis:
Feste Israels (Hanspeter Obrist, Hrsg.) Die Feste erzählen Gottes Heilsgedanken; Eine prägnante Darstellung von Israels Festen; Eine Bereicherung für jeden Bibelleser; Mit messianischer Passah-Liturgie; 112 Seiten Paperback € 5.95
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