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Sollen wir auf einen anderen warten?

 

Von Hanspeter Obrist

Als Johannes der Täufer im Gefängnis war, ließ er durch seine Jünger Jesus fragen: „Bist du der Kommende, oder sollen wir auf einen anderen warten?“ (Matth. 11,3)

Johannes geriet, auch als Wegbereiter des Messias, in eine große Krise. Er hatte einen anderen Messias erwartet. Genauso erwarten heute viele Juden einen anderen Messias.

Kürzlich habe ich ein Buch gelesen, in dem ein jüdischer Schriftsteller mit logischen Argumenten begründet, warum Jesus nicht der erwartete Messias sein kann. Der größte Vorwurf war, dass Christen den Tenach (AT) einfach uminterpretieren und die Belegstellen für die Messianität Jesu wahllos zusammenstellen.

Dieses Buch forderte mich sehr heraus, über den Glauben neu nachzudenken. Warum glaube ich, dass Jesus der von Gott gesandte Messias ist? Welche Antwort hätten Sie Johannes gegeben? 

 

Neuinterpretation des Tenach

Ganz nüchtern müssen wir feststellen, dass Jesus tatsächlich den Tenach (AT) anders als die jüdischen Schriftgelehrten interpretierte. Er stand dadurch im ständigen Konflikt mit ihnen. Dies sehen wir in Matthäus 5-7. Jesus vergleicht am Schluss jeden, der seine Worte umsetzt, mit einem klugen Mann, der sein Haus auf einen Felsen baut. In Matthäus 7,29 heißt es: „Er lehrte wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.“ Wenn Jesus lehrte, hatte er Vollmacht. Dann wurden Blinde sehend, Lahme gingen, Aussätzige wurden gereinigt, Taube hörten, Tote wurden auferweckt und Armen wurde gute Botschaft verkündet (nach Matth. 11,5). Dies erwiderte Jesus Johannes dem Täufer und ergänzte: „Glückselig ist, wer sich nicht an mir ärgern wird!“ (Matth. 11,6).

Jesus, und damit auch seine Nachfolger, verstanden den Tenach (AT) tatsächlich in einer neuen Art und Weise. Nur wenn Jesus wirklich Gottes Sohn ist, können wir seine Auslegung als wegweisend anerkennen. Doch wie können wir gewiss sein, dass Jesus Recht hatte? Was spricht für Jesus und sein Verständnis vom Tenach (AT)?

 

1. Jesus bietet uns die volle Vergebung an. Wir müssen Gott nicht gnädig stimmen und für unsere Sünden büßen. Durch den stellvertretenden Tod Jesu und seine Auferstehung dürfen wir gewiss sein, dass uns vergeben ist, und unser Leben neu gestalten. Jesus sprach als erster klar und deutlich vom Himmel und der Hölle und davon, dass er der Weg sei, um dem göttlichen Gericht zu entkommen (Joh 14,6). Er lädt alle ein mit ihren Laste zu ihm zu kommen und er verheißt uns Ruhe für unsere Seelen (Matth. 11,28-29).

 

2. Durch Jesus erhalten wir einen neuen Zugang zu Gott. Elia und die Baalspriester riefen beide ihren Gott an. Nur der Gott, welcher auch antwortete, war der lebendige Gott (1. Kön. 18). Nichts ist so ermutigend wie Gebetserhörungen. So rief mich vor kurzem eine Frau an, die berichtete, dass ihr Hebräischlehrer sich für den Glauben an den Messias interessiere. Er hat miterlebt, wie sie als Ehepaar für ihn gebetet haben und Gott das Gebet erhört hat. Wo wir Menschen an unserem Leben Anteil nehmen lassen, erleben sie mit, wie Gott uns in Freud und Leid hilft. Durch eine Gottesbegegnung wurde Saulus zum Paulus. Gott will uns Menschen begegnen. Von einem Pastor in Israel wissen wir, dass eine stark sehbehinderte Frau sehend wurde, als er für sie betete. Er hatte Gott nicht um Heilung gebeten, sondern einfach um ein Zeichen, dass er sie liebt.

 

3. Jesus ermöglicht neue Beziehungen. Jesus sagte: „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Joh. 13,35). In der Apostelgeschichte sehen wir, dass die meisten Menschen nicht aufgrund einer theologischen Diskussion zur Gemeinde stießen, sondern durch die tätige Liebe und Gebetserhörungen. Alexandrien war im ersten Jahrhundert eine der größten Gemeinden. Dort war es üblich, dass jeder Gemeindebesucher eine Aufgabe in der Gemeinde übernahm. Dadurch war ihr sozialdiakonisches Zeugnis überzeugend, und viele wurden für den Glauben an den Messias gewonnen. An den Früchten können wir erkennen, was für ein Geist hinter einem Menschen steht. Überall wo Jesus war, wurden Menschen heil. Entweder geschahen äußere oder innere Heilungen. Dies nennt er auch gegenüber Johannes als Zeichen, dass er der erwartete Messias ist (Matth. 11,5).

 

Jesus bietet uns an, was sonst keine Religion kann:

Jesus gibt mir die Vergebungsgewissheit. „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit“ (1. Joh 1,9) und Römer 8,16: „Der Geist selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“

Jesus antwortet auf meine Gebete. Zwar nicht immer so, wie ich es mir vorgestellt habe, dafür so, wie es mir zum Segen wird.

Jesus verändert meine Beziehungen. Keine andere Religion lehrt, dass wir uns sogar um das Wohl unseres Feindes kümmern sollen (Matth. 5,44).

 

Wenn ich miterlebe wie gescheiterte Menschen, wie sie im Beth Nitzachon aufgenommen werden, durch Jesus so verändert werden, dass sie sich heute um andere kümmern, dann wird klar, dass für mich nur Jesus der von Gott gesandte Messias sein kann. Er hat auch mein Leben total verändert.

 

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