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Jüdische Mission – ein Widerspruch?

 

Von Hanspeter Obrist

Für Juden ist das Wort „Mission“ ein Reizthema, weil sie damit viele negative Erfahrungen verbinden. Zum Beispiel fanden die Kreuzzüge unter dem Deckmantel der christlichen Kirche statt. Orthodoxe Juden werfen messianischen Gläubigen und Christen vor, heute noch in dieser Art Mission zu betreiben.

 

Lange Missionstradition

Von sich selbst behaupten Juden, nicht missionarisch tätig zu sein. Allerdings finden wir in der Bibel im Matthäusevangelium einen Hinweis, dass die Pharisäer umherzogen, um Menschen für das Judentum zu gewinnen (Mt. 23,15). Bezeichnend für jüdische Mission war jedoch, dass sie nie mit Gewalt, sondern durch Überzeugung Menschen gewann, was auch dem christlichen Verständnis von bibeltreuer Verkündigung entspricht.

 

Gott aller Völker

Im Laufe der Jahrhunderte wurde dieses Missionsverständnis präzisiert. Im rabbinischen Judentum entstand die Ansicht, dass Nichtjuden nur zum „Bund Noahs“ angehalten werden müssen. So schreibt Rabbiner Chajim HaLevy Donin im Buch „Jüdisches Leben“: „Wir glauben, dass alle Nationen und Völker dieser Welt ihren göttlichen Zweck zu erfüllen und die ihnen zugedachte Aufgabe zu vollbringen haben, denn Gott ist der Gott der ganzen Welt, nicht nur der des Judentums. Gleichzeitig sehen wir in der uns von Gott zugewiesenen Aufgabe etwas Einzigartiges, wovon die Geschichte selbst zeugt. Sie bringt einen besonderen Lebenszweck mit sich, den Grund für unsere Existenz. Dieser Zweck besteht nicht darin, aus aller Welt Juden zu machen, sondern die Völker der Welt, ganz gleich welchen Glaubens, zur Anerkennung von Gottes Souveränität zu bringen und die uns durch ihn offenbarten, grundlegenden Werte zu übernehmen. Dadurch wird der Segen ‚auf alle Familien der Erde’ (Gen. 12,3) kommen“ (S. 12). Nach dieser Ansicht ist es also die Aufgabe der Juden, die übrigen Völker zu überzeugen, Gottes Souveränität und seine Werte anzuerkennen.

 

Gesetze Noahs

Die gleiche Meinung vertrat der Rabbiner Menachem Mendel Schneerson, dessen Anhänger nach seinem westrussischen Geburtsort „Lubawitscher“ genannt werden. Sie haben ein sehr starkes Sendungsbewusstsein und missionieren weltweit. Nichtjuden geben sie die sieben Gesetze Noahs weiter, die auf einer universalen Moralvorstellung basieren. Diese sind:

1. Es gibt einen Gott

2. Gottes Namen nicht missbrauchen

3. Nicht Morden

4. Keine unmoralischen sexuellen Handlungen

5. Nicht stehlen

6. Ein Gerichtssystem aufbauen

7. Kein Fleisch von lebenden Tieren essen

 

Religiöse Gebote nur für Juden

Dennis Prager und Joseph Telushkin beschreiben in ihrem Buch „Judentum heute“ eine ähnliche Ansicht. Ihrer Meinung nach gelten die religiösen Gebote nur für Juden, während Nichtjuden nicht an die Gesetze gebunden sind, die das Verhältnis zwischen den Menschen und Gott betreffen. Einzig die Regeln, die das Zusammenleben der Menschen ordnen, sind auf alle Völker anwendbar.  Nach ihrer Auffassung gibt es auch keine Erbsünde oder Trennung von Gott: „Jeder Mensch wird unschuldig geboren. Er selbst trifft die Wahl zu sündigen oder nicht“ (S. 75).

Entsprechend macht es wenig Sinn, Nichtjuden vom jüdischen Glauben als Ganzes zu überzeugen. Im rabbinischen Judentum bildete sich ein eigenständiges Missionsverständnis. Juden sollen dazu angehalten werden, den jüdischen Glauben zu praktizieren und die Gebote zu halten. Nichtjuden werden zur Einhaltung von zwischenmenschlichen Grundregeln aufgefordert.

 

Irdisches Friedensreich statt Ewigkeit

Auffallend ist, dass sich das Judentum auf ein irdisches Leben konzentriert. Wer im Hier und Jetzt ein gutes Leben führt, darf auch auf eine Auferstehung im kommenden Friedensreich auf dieser Erde hoffen. Das Konzept einer nichtirdischen Ewigkeit ist nicht Zentrum jüdischen Denkens.

Jesus hat mit dem Neuen Bund einen anderen Schwerpunkt gelegt. Er wirbt für eine ewige Gemeinschaft mit Gott. Keiner hat in einer solchen Deutlichkeit von der ewigen Gemeinschaft und Trennung von Gott gesprochen. Auch heute gilt dieses Angebot von Jesus Juden und Nichtjuden, dass jeder, der ihm sein Leben anvertraut, ewiges Leben empfängt (1. Joh. 1,2-3; Joh. 3,15-16).

 

 

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