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Israel und der Feigenbaum Die Grenzen einer Prophetie
Von Hanspeter Obrist
In diesem Jahr feiert Israel sein 60-jähriges Bestehen. 1948 hielt die ganze Welt den Atem an, als der israelische Staat gegründet und unmittelbar darauf bekämpft wurde. Es war ein Wunder Gottes, dass dieses kleine Land sich erfolgreich gegen die gewaltige arabische Übermacht verteidigen konnte. Viele sympathisierten damals mit Israel.
Schnell kamen Ausleger darauf, die Entstehung Israels mit dem Feigenbaum zu identifizieren, von dem Jesus gesprochen hatte (Mt. 24,32; Mk. 13,28; Lk. 21,29 kombiniert mit Joel 1,7): Die Generation, die seine Blätter sprossen sieht, wird das Ende miterleben (Mt. 24,34). Aufgrund der Wüstenwanderung (4. Mo. 32,13) wird eine Generation oft als 40 Jahre angesehen. Als diese 40 Jahre seit der Staatsgründung abgelaufen waren und nichts geschah, wurde es eher still.
Vor einigen Jahren dann machte eine neue Interpretation die Runde: Es müsse ab der Eroberung Ostjerusalems 1967 gerechnet werden. Doch mit dem Ende des Jahres 2007 sind auch diese 40 Jahre abgelaufen. Das führt zu neuen Fragen. Wie sollen wir mit prophetischen Texten umgehen?
Umgang mit prophetischen Texten
Biblische Prophetie weist uns darauf hin, dass Gott zu seiner Zeit zu seinem Ziel kommt. Es ist nicht ungefährlich, jedes aktuelle Geschehen gleich mit Teilen von Bibelstellen zu verknüpfen. Wir sollten vermeiden, voneinander unabhängige Textteile aus der ganzen Bibel zusammenzustückeln, um das eigene Wunschdenken zu untermauern.
Auch den „Ninivefaktor“ sollte man nicht außer Acht lassen. Gott gab Jona den Auftrag, den Untergang Ninives zu verkünden (Jona 3,4). Da Ninive Buße tat, wurde dieses Gericht hinausgeschoben. Nun schien sich die Prophezeiung nicht zu erfüllen. Jona wusste, dass Gott barmherzig ist (Jona 4,2). An dieser Gnade sollen wir uns – im Gegensatz zu Jona – freuen.
Petrus schreibt, dass das scheinbare Ausbleiben der Wiederkunft Jesu nicht Versäumnis, sondern Gnade ist (2. Petr. 3,9). Deshalb muss unsere Zielrichtung sein, nicht tatenlos auf die Wiederkunft des Herrn zu warten, sondern diese Gnadenzeit zu nutzen und allen Menschen von der unbeschreiblichen Gnade Gottes zu erzählen. Diesen Auftrag hat uns Jesus gegeben (Apg. 1,7-8). Leider führt die Beschäftigung mit prophetischen Texten bei manchen in die umgekehrte Richtung, so dass sie zu Zuschauern und Kommentatoren werden.
Der Feigenbaum
Im Lukasevangelium (Lk. 21,29) bezieht sich Jesus nicht nur auf den Feigenbaum, sondern auf alle Bäume. Es scheint so, dass nicht ein bestimmter Baum im Zentrum steht, sondern eher die Aussage, dass wir die Zeichen der Zeit erkennen und wachsam sein sollen (Lk. 21,36). Was könnten diese Zeichen sein? Im Textzusammenhang sind es Zeichen an Sonne, Mond und Sternen, Bedrängnis der Nationen (Lk. 21,25), große Christenverfolgung (Lk. 21,17), Verkündigung des Evangeliums auf der ganzen Welt (Mt. 24,14) und Verführung der Christen (Mt. 24,24).
Heute ist zu beobachten, dass Umweltkatastrophen immer mehr Menschen treffen. Die Rat- und Orientierungslosigkeit sowie die Verfolgung von Christen nehmen weltweit zu, ebenso Sonderlehren. Zugleich haben mit den modernen Kommunikationsmitteln immer mehr Menschen die Möglichkeit, das Evangelium zu hören. Der Knackpunkt bleibt aber, ob wir selbst bereit sind, diese zu nutzen und andere darauf aufmerksam zu machen. Auf unserer Homepage zum Beispiel sind unterschiedlichste Links zu Lebensberichten und hilfreichen Webseiten. Diese werden aber nur wahrgenommen, wenn wir sie per E-Mail anderen empfehlen. Auch amzi-Bücher eignen sich zum Verschenken. Wir selbst tragen dazu bei, wie diese Gnadenzeit genutzt wird.
Herausforderung Israel
Da Gott der Herr der Geschichte ist, ist Israel ein Weckruf an uns alle. Gott zeigt, dass er zu seinem Ziel kommt, auch wenn manchmal sein Zeitplan und seine Handlungsweise nicht unseren Vorstellungen entsprechen. Gott hält, was er verspricht, um seines Namens willen (Hes. 36,23-28). In der Bibel lernen wir aber auch, dass es Auswirkungen auf das Leben hat, wenn Menschen Gott ignorieren.
Auf der ganzen Welt orientieren sich immer weniger Menschen an Gottes Normen. Das ist auch in Israel zu beobachten. Wie soll Gott dem jüdischen Volk helfen, wenn es auf seine eigene Stärke baut und nicht mit Gottes Hilfe rechnet?
Dabei gilt es, nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern auf uns selbst. Wenn wir uns selbst an Gottes Normen orientieren und unter der Leitung des Heiligen Geistes unseren Teil beitragen, dann wird trotz Gegenwind Gottes Reich gebaut. Ich wünsche mir, dass wir neu von dieser Vision angesteckt werden, dass wir nicht Zuschauer sondern Täter im Reich Gottes sind.
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