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Christen als Wegbereiter Israels
Von Hanspeter Obrist
Christen aus Deutschland waren Schlüsselpersonen für den Aufbau von Jerusalem und für die Vorbereitung der Rückkehr von Juden. So gibt es zwischen dem jüdischen Volk und den Christen aus Deutschland eine positive Geschichte, an die wir uns zum 60-jährigen Jubiläum von Israel erinnern wollen. Wie kam es dazu?
Chrischona sendet Leute in den Nahen Osten
Der christliche Naturforscher Professor Dr. von Schubert aus München hatte bei Ibrahim Pascha, dem damaligen Herrscher über den Nahen Osten, im Auftrag der Pilgermission angefragt, ob diese eine Siedlung im Nahen Osten aufbauen könne. Am 12. November 1837 schrieb er, der Pascha hätte sich „gegen die Hineinführung von deutschen Kolonisten in die fruchtbare Ebene von Jesreel gar nicht abgeneigt geäußert“. Schubert schrieb weiter: „Liebe Mitglieder der Pilgermission, eine Bitte: Sendet christliche deutsche Handwerksleute nach Jerusalem.“ Doch genau ein Jahr später traf plötzlich und unerwartet eine Absage ein, so dass das Unternehmen vorerst nicht umgesetzt werden konnte.
Nach der politischen Wende im Nahen Osten 1841 sandte die Pilgermission 1846 Conrad Schick und Ferdinand Palmer ins damalige Palästina aus. Sie gehörten zu den ersten Absolventen der 1840 von Christian Friedrich Spittler (1782-1867) gegründeten theologischen Schule auf St. Chrischona. Das alles geschah, bevor Theodor Herzl (1860-1904), der Begründer der zionistischen Bewegung, geboren wurde, und als noch kaum jemand in der jüdischen Welt an einen realen Aufbau Zions dachte.
Stadtbaumeister von Jerusalem
Die Türken machten den jüdischen Immigranten das Leben schwer. Nur mit hohen Schmiergeldern war es ihnen möglich, Grundstücke zu erwerben. Nach dem Sondervertrag von Preußen mit den Türken vom 7.6.1869 war es den Deutschen jedoch gestattet, Grund zu erwerben. Die Chrischona-Absolventen Conrad Schick, als Architekt, und Johann Frutiger, als Bankier, kauften und bebauten daher die Grundstücke in den Wohnvierteln Mea Schearim und Machane Jehuda außerhalb der Altstadt Jerusalems. Die Häuser überließen sie den jüdischen Immigranten in einer Art Mietkaufvertrag. Schick wurde durch sein handwerkliches Geschick zum Stadtbaumeister von Jerusalem. Zahlreiche Bauten außerhalb der Stadtmauer entstanden unter seiner Regie, wie z.B. das Kinderkrankenhaus „Talitha Kumi“ der Kaiserswerther Diakonissen und andere Häuser an der Prophetenstraße. Darüber hinaus machte Schick auch archäologische Entdeckungen. Er erstellte genaue Pläne und Modelle von Jerusalem und dem Tempelberg, die wie durch ein Wunder noch heute existieren. 1896 wurde Schick von der Universität Tübingen die Ehrendoktorwürde verliehen.
Die größte Handelsfirma
Johann Frutiger (1836-1899), ein weiterer Chrischona-Absolvent, übernahm die von der Pilgermission gegründete Handelsgesellschaft „C. F. Spittler & Co.“. Als eine der größten und angesehensten Firmen Palästinas führte sie sogar eine eigene Bankabteilung. Diese Handelsgesellschaft ermöglichte es den Menschen dort, eine Existenz aufzubauen, ohne auf die Güter des modernen Lebens verzichten zu müssen. Frutiger gründete die „Banque Ottomane J. Frutiger & Co.“ und beteiligte sich auch an der Finanzierung der Bahnlinie zwischen Jaffa und Jerusalem.
Landwirtschaftliche Pioniere
Als weitere deutsche Bewegung traf die „Templer-Gesellschaft“ aus dem Raum Stuttgart mit Christoph Hoffmann, einem ehemaligen Mitarbeiter von Spittler, 1868 in Haifa ein. Sie setzten die ursprüngliche Vision der Pilgermission um und bauten landwirtschaftliche Siedlungen in Haifa, Jaffa und Jerusalem auf. Die deutschen Siedler waren wesentlich an der Entwicklung der Landwirtschaft sowie am Aufbau einer ersten Infrastruktur im Land beteiligt. Der Bau der ersten befahrbaren Straße zwischen Jerusalem und Jaffa ist ihnen zu verdanken.
Wegbereiter Israels
Bibelgläubige Christen sahen aufgrund biblischer Aussagen die Notwendigkeit, den Nahen Osten für die Ankunft des Messias vorzubereiten. Sie schufen eine Infrastruktur, die den Lebensstandard der lokalen Bevölkerung schlagartig veränderte und das damalige Palästina wieder in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit rückte. Die Namen der deutschen Pioniere wurden durch die Weltkriege überschattet. Dennoch bleibt ihr wesentlicher Beitrag zum Aufbau der Infrastruktur in Palästina sowie zur Unterstützung der Menschen dort, unumstritten.
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